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Teil 1: 3MF – Was bedeutet ein neues Dateiformat für die 3D Druck Industrie?

Was bedeutet die Einführung des neuen Datenformat 3MF für die Industrie? Hat es Auswirkungen auf den Heimanwender? Wir haben Adrian Lannin, den Executive Director des 3MF Consortiums und Matthias Baldinger von Additively befragt.

Das 3MF Datenformat wurde in einer frühen Version schon von Microsoft in Windows 8.1 eingeführt. Dies ermöglicht das direkte Drucken über Microsofts 3D Builder Programm. Aktuell ist mit der Gründung des 3MF Consortiums die Version 1.0 vorgestellt worden. Das Consortium wurde von mehreren Unternehmen ins Leben gerufen. Microsoft, HP, Netfabb, Dassault Systèmes, Autodesk, Shapeways, SLM Solutions und mittlerweile Stratasys, 3D Systems, Siemens PLM und Materialise arbeiten gemeinsam an 3MF. Aktuell wird zumeist auf das in den 80ern entwickelte STL Format und OBJ für mehrfarbige Anwendungen zurückgegriffen. Diese Standards wurden gezwungenermasen zur Erfindung des 3D Drucks entwickelt. Seit dem hat sich der Markt und die Moglichkeiten, die moderne AM Anlagen bieten, weiterentwickelt. Oberflächenstruktur, Einsatz von verschiedenen Materialien und Farben spielt immer mehr eine Rolle. Dies konnte bis jetzt noch nicht in dem geforderten Mass berücksichtigt werden.

Matthias Baldinger, Gründer von Additively in der Schweiz und PhD Kandidat an der ETH Zürich, sagt zu 3MF:

matthias-baldinger-foto.1024x1024Ich denke es besteht eine Notwendigkeit für ein Dateiformat, welches nicht nur reine Geometrieinformation (wie STL) enthält, sondern verschiedenen Punkten dieser Geometrie weitere Informationen zuordnen kann. Dies ermöglicht beispielsweise „functionally graded materials“ wo Materialeigenschaften fliessend innerhalb des Bauteils ändern.

3MF soll dies ermöglichen und zugleich das schaffen was STL nicht gelungen ist, für die Zukunft adaptierbar zu bleiben. Ausserdem ist eines der Ziele, welches ich für sehr wichtig erachte, die Kommunikation zwischen CAD Software und der 3D Drucker zu ermöglichen. Dies eröffnet neben Optionen für Anwendungen im Bereich der Echtzeitüberwachung auch Platz für neue Ideen, wie die Kontrolle des Materialzuflusses, Kalibrierung und wer weiß was noch.

Matthias Baldinger:

Wie ich verstehe, soll das 3MF Format in Zukunft weiterentwickelt werden. Sofern dies der Fall ist, wäre es denkbar, dass dieses sich als Industriestandard durchsetzt und sich lange hält. Das STL Format hält sich ja auch bereits sehr lange.

Bei Anwendungen, bei denen das Model nachbearbeitet werden muss, um entweder passgenau zu sein oder ein bestimmtes Oberflächenfinish benötigt kommt eher das STEP Dateiformat zum Einsatz. Hier hat das Dateiformat den Vorteil 3D-Modelle für die Produktion anpassen zu können, ob 3MF auch all diese Funktionen und Vorteile von STL, OBJ und dem STEP Dateiformat ersetzen kann wird sich zeigen.

Matthias Baldinger über die Anforderungen von Dienstleistern und Industrie an das Dateiformat:

In der Zusammenarbeit zwischen Industrie und Dienstleistern wird heute oft STEP anstelle von STL verwendet, da STEP-Modelle einfach für die Produktion angepasst werden können (zum Beispiel können Aufmasse hinzugefügt werden, um eine Nachbearbeitung zu ermöglichen). Hier stellt sich die Frage, wie „gut“ sich ein 3MF File abändern lässt und somit STEP ersetzen kann.

Im zweiten Teil unterhalten wir uns mit Adrian Lannin, Executive Director des 3MF Consortiums. Dieser erscheint am Dienstag den 15.09.2015.

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