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Tetra Pak und Aectual 3D drucken aus recycelten Materialien Möbel

Weltweit geht der Trend hin zur Kreislaufwirtschaft. Niemand möchte es mehr dem Zufall überlassen, ob ein Produkt recycelt wird oder nicht. Stattdessen ist es an der Zeit, recycelte Rohstoffe systematisch zur Herstellung hochwertiger Produkte zu nutzen, sodass ihr ursprünglicher Wert erhalten bleibt oder sogar wächst. Ein innovatives Innenarchitekturunternehmen aus den Niederlanden engagiert sich, um zu beweisen, dass sich Upcycling im großen Maßstab lohnt. Dabei zeigt es, wohin die Kreislaufwirtschaft führen kann.

Im Jahr 2021 wurden nahezu 200 Milliarden Getränkekartons hergestellt. Auf der ganzen Welt gibt es etwa fünf Milliarden Gebäude. Was, wenn wir aus diesen Kartons hochwertiges Baumaterial machen könnten, sodass weniger neue Rohstoffe für Bau und Ausstattung unsere Wohn- und Arbeitsräume benötigt werden?

Aectual ist ein Designunternehmen aus Amsterdam und die weltweit erste Plattform für 3D-gedruckte, vollständig aus recycelten Produkten bestehende Gestaltungs- und Baustoffe für Innenräume. Gemeinsam mit dem „Workplace Experience and Real Estate“-Team von Tetra Pak hat Aectual eine Reihe einzigartig schöner Innenraumobjekte und -elemente geschaffen, die vollständig aus PolyAl bestehen, also Polymeren und Aluminium aus dem Kartonrecycling.

Das „Aectual x Tetra Pak“-Konzept wurde erstmals auf der Mailänder Designwoche 2022 vorgestellt und wird nach und nach weltweit in Gebäuden von Tetra Pak umgesetzt.

„Gemeinsam mit Aectual haben wir ein Playbook mit einer Auswahl von Produktdesigns erstellt. Unsere Workplace-Teams können darin eine Ausstattung für das eigene Arbeitsumfeld auswählen, wenn sie es gestalten“, erklärt Sudhir Saseedharan, Director of Workplace Experience & Real Estate bei Tetra Pak. „Es gehört zu unserer Workplace-Experience, dass wir unsere Versprechen täglich auch in unseren eignen Gebäuden umsetzen: Wir schützen Lebensmittel, Menschen und den Planeten.“

Das Playbook enthält zum Beispiel schicke und funktionale Hocker, Pflanzgefäße, Wandverkleidungen, Raumteiler, Fliegengitter und vieles mehr. Alles wird im 3D-Druck aus PolyAl hergestellt und trägt zu einer echten Kreislaufwirtschaft bei. Wenn eines der Produkte das Ende seiner Lebensdauer erreicht, kann es geschreddert und wieder zu Ausgangsmaterial für den 3D-Druck verarbeitet werden.

Gegen den Strom

Das Projekt begann mit einer Frage, die in Sudhirs Team gestellt wurde: „Wie können wir Verpackungsabfall in unseren Möbeln und Innenräumen nutzen?“ Etwa zur selben Zeit unternahm Aectual 3D-Druck-Versuche mit PolyAl von einem lokalen Recyclingunternehmen.

Designer sind generell der Meinung, dass PolyAl kein gutes Ausgangsmaterial darstellt, da der Aluminiumanteil die Verarbeitung erschwert. Doch Aectual fand heraus, dass das Gegenteil zutrifft.

„PolyAl ist ein faszinierender Werkstoff“, weiß Hedwig Heinsman, Creative Director und Mitgründerin von Aectual. „Es erinnert ein wenig an Ton und sieht aus wie Beton. Aber es ist überaus vielseitig. Die winzigen Aluminiumpartikel verleihen ihm eine Tiefe und helfen bei der Farbmischung. Es fühlt sich auch toll an. Aufgrund dieser Merkmale sind wir zuversichtlich, dass wir mit PolyAl sämtliche von uns angebotenen Produkte herstellen können.“

Vom Abfall zum Aha-Effekt: lokale Recyclingströme anzapfen

Aectual arbeitet mit verschiedenen Kunststoffen – von neuen, pflanzenbasierten Kunststoffen bis hin zu Polypropylen. Aber in erster Linie fokussiert sich das Unternehmen auf Ökosysteme, in denen sie wertvolle Recyclingströme erschließen können.

„Wir nutzen Kunststoffabfälle, weil wir das Material sehr schätzen. Aber wir benötigen große Mengen, die aus derselben Quelle stammen“, erklärt Hedwig. „Daher suchen wir nach professionellen Partnern in der Industrie, die uns dabei helfen können, den Kreis zu schließen. Wenn es recycelte Rohstoffe gibt, können wir sie für den 3D-Druck nutzen.“

Aectual arbeitet zu 95 % mit gewerblichen Kunden wie Nike, Disney, Burberry usw. zusammen. „Für den Erstkontakt ist unsere Ästhetik verantwortlich. Die Firmen lieben das Erscheinungsbild unserer Produkte. Doch dann bleiben sie aufgrund der Nachhaltigkeit.“

3D-Druck führt zu CO₂-Einsparungen in Höhe von 80 %, da weniger Rohstoffe eingesetzt werden müssen. Außerdem fällt keine Lagerhaltung von Endprodukten an und die Fertigung erfolgt bei Bedarf. Wenn dann noch recycelte Rohstoffe genutzt werden, bietet Aectual großen Unternehmen eine hervorragende Möglichkeit, den ökologischen Fußabdruck zu verringern.

Grundlagen für einen systemischen Wandel

„Die Zusammenarbeit mit großen Unternehmen ist für uns sinnvoll, denn oft müssen viele Anlagen ausgestattet werden. Außerdem werden ungefähr alle fünf Jahre neue Möbel oder Einrichtungsgegenstände angeschafft. Sie bieten die perfekte Umgebung, um unsere Designs zu skalieren“, sagt Hedwig.

„Wie unser Nachhaltigkeitsteam betont, können nachhaltige Innovationen ihre Vorteile nur dann spürbar ausspielen, wenn sie in großem Maßstab zum Zuge kommen“, erklärt Sudhir. „Das Tolle an der Plattform von Aectual ist, dass die Designs massentauglich und individualisierbar sind. Wo immer es eine zuverlässige Recyclinginfrastruktur und bereitwillige Recyclingpartner gibt, kann PolyAl für die Aectual-Stücke verwendet werden. Das ist für uns die Grundlage eines echten systemischen Wandels durch PolyAl. Das möchten wir fördern.“

Dieser Artikel basiert auf einer Case Study von Tetra Pak.

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