Der Konflikt um Waffen aus dem 3D-Drucker

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    3D-gedruckte Pistole Liberator
    3D-gedruckte Pistole Liberator von Cody Wilson (Foto: Kamenev / CC BY-SA 3.0)

    Waffen aus dem 3D-Drucker sind ein Dauerbrenner. Durch ein Gerichtsurteil von Ende Juni, welches die Pläne für 3D-gedruckte Waffen legalisiert, wird das Thema erneut angeheizt.

    Zur Vorgeschichte: Cody Wilson entwickelte 2012 mit seiner Organisation Defense Distributed eine Pistole aus dem 3D-Drucker. Er veröffentlichte die Pläne online und bot die 3D-Modell-Dateien zum Download an. Das sorgte für eine weltweite Debatte und Wilson wurde die Bereitstellung der Daten verboten, weil er damit gegen die Waffenexportgesetz der USA verstieß. Er klagte dagegen.

    Wilson und Defense Distributed konnten sich durchsetzen und einigte sich mit der US-Regierungüber eine Veröffentlichung der Pläne einigen. Außerdem versprach das Justizministerium eine Lockerung der Exportregeln für Waffen. Wilson bekam zusätzlich Schadenersatz in Höhe von 40.000 Dollar zugesprochen. Ab 1. August 2018 wird man die Pläne für die 3D-gedruckte Pistole, den Liberator, kostenlos und legal herunterladen können.

    Kampf gegen 3D-gedruckte Waffen

    Non-Profit-Organisationen, die sich für Waffenkontrolle und gegen Waffengewalt einsetzen, Brady Campaign to Prevent Gun Violence, Everytown for Gun Safety und Giffords Law Center to Prevent Gun Violence, haben gemeinsam ein Statement veröffentlicht. In diesem wird eine einstweilige Verfügung gegen die Veröffentlichung der Baupläne gefordert. Laut den Organisationen verstoßen die Waffen aus dem 3D-Drucker gegen den „Undetectable Firearms Act„. Dieses Gesetz aus dem Jahr 1988, welches unter der Regierungszeit von Ronald Reagan verabschiedet wurde, verbietet die Herstellung, den Verkauf, den Import, den Versand, die Lieferung, den Besitz, die Übertragung und den Erhalt von Waffen, die mit Metalldetektoren einer Sicherheitskontrolle nicht erkannt werden können.

    Ebenfalls melden sich die ersten Unternehmen aus der Branche, welche das Urteil kritisieren. So gab der 3D-Druck-Dienstleister 3Diligent aus Kalifornien bekannt, dass sie keine 3D-gedruckte Waffen drucken werden. Außerdem riefen sie auch dazu auf, dass andere Unternehmen ihrem Beispiel folgen sollen.

    Was bringen Verbote?

    Ein Verbot von 3D-gedruckten Waffen wäre erfreulich, so hat der kalifornische Senat ein Gesetz verabschiedet, welches die Verwendung von Waffen aus dem 3D-Drucker erschwert, aber die Umsetzung wird langfridtig schwierig.

    Defense Distributed ist nicht die einzige Organisation, die eine 3D-gedruckte Waffe erstellt hat. Mittlerweile gibt es weltweit verschiedene Gruppen, die sich auf dieses Thema spezialisiert haben. Teilweise werden ganze Waffen gedruckt, teilweise werden nur Teile von Waffen (wie Magazine) hergestellt.

    Derzeit ist es so, dass man mit handelsüblichen FDM-3D-Drucker, die es für unter 500 Euro gibt, die meisten Modelle nicht herstellen kann. Zwar kann man eine Kopie erstellen, aber günstige Drucker sind häufig zu unpräzise und das Material verzieht sich leicht. Das ist für die meisten Anwendungen nicht relevant, aber bei Waffen sehr wohl. Modelle des Liberator, welche erfolgreich Schüsse abgeben, wurden normalerweise mit industriellen 3D-Drucker hergestellt.

    Es ist jedoch so, dass die privaten 3D-Drucker von Jahr zu Jahr besser werden. Dadurch können bald auch günstige 3D-Drucker präzisere Modelle zu produzieren.

    Die Anleitungen zu den Waffen, die man mit einer kurzen Google-Suche auch schon vor der legalen Veröffentlichung fand, spielt hierbei nur eine nebsächliche Rolle. Wer den Willen hat eine Waffe mit einem 3D-Drucker herzustellen, wird es auch mit Verboten schaffen, dennoch könnten Gesetze eine Verbreitung eindämmen.

    Was tun?

    Neben grundsätzliche Gesetze, welche die Verbreitung der Pläne eindämmen, sollten jedoch auch noch andere Maßnahmen getroffen werden. So wäre es möglich 3D-Druck-Dienstleistern Services in diesem Bereich zu verbieten. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass die gleichen Regelungen wie bei einem normalen Waffenhändler oder Waffenproduzent angewandt werden.

    Ebenso sollten Firmen öffentlich gegen Waffen aus dem 3D-Drucker Stellung beziehen und auf ihren Protalen – selbst wenn es keine Gesetze dagegen geben sollte – die Verbreitung solcher 3D-Modelle unterbinden.

    Wie geht es weiter?

    Am 30. Juli 2018 hat der Generalstaatsanwalt des US-Staats Washington, Bob Ferguson, angekündigt die US-Regierung zu klagen. Neben Washington haben sich sieben weitere US-Bundesstaaten angeschlossen. Neben der Regierung wird auch die Organisation Defense Distributed geklagt.

    Einen Tag vor der legalen Veröffentlichung der Daten hat das US-Bundesgericht in Seattle der einstweiligen Verfügung gegen stattgegeben. Mehr dazu finden Sie in diesem Artikel.

    Update 13.08.2018:
    Facebook blockiert Links zu oder Uploads von Plänen zu 3D-gedruckte Waffen.

    Der Artikel wird bei neuen Entwicklungen aktualisiert.

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