Ärzte nutzen 3D-Technologien zur Verbesserung von Organtransplantationen bei Kleinkindern

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Mit dem Einsatz von 3D-Technologien hat ein Chirurgenteam der in London ansässigen Guy’s sowie St. Thomas‘ NHS Foundation Trust einen Weg gefunden, um die Erfolgsrate bei komplexen sowie lebensrettenden Organtransplantationen bei Kleinkindern zu verbessern. Erstmals wurde dies an dem zweijährigen Dexter Clark, welcher an Nierenproblemen leidet, getestet.

Die Anzahl der medizinischen Durchbrüche, welche alleine im letzten Jahr in Kombination mit 3D-Technologien erfolgten, sind kaum zählbar. Ob es sich nun um ein 3D-gedrucktes Handelenks-Gerüst, welches neues Ligament- & Knochengewebe wachsen lässt, um neue Oralchirurgie-Techniken oder medizinische CAD-Programme handelt, 3D-Drucktechnologien sind aus der Medizin nicht mehr wegzudenken.

Der neueste Durchbruch in diesem Bereich stammt von einem Londoner Chirurgen-Team, welches mit dem Einsatz von 3D-Scanning sowie 3D-Druck einen Weg gefunden hat, um lebensrettende Organtransplantationen bei Kleinkindern besser analysieren zu können. Gestest wurde dieses Verfahren erstmals an dem zweijährigen Dexter Clark.

Der Junge wurde mit schweren Nierenproblemen geboren, durch welche es ihm nicht möglich war, alltägliche Aktivitäten wie Essen auszuüben. Bisher wurde Dexter durch eine Ernährungssonde am Leben gehalten. Den Ärzten war schnell klar, dass der zweijährige eine Nierentransplantation benötigen würde. Als Spender kam am wahrscheinlichsten sein Vater, Brendan Clark, in Frage. Nach einigen Untersuchungen wurde festgestellt, dass Brendan Clark überdurchschnittlich große Nieren besitzt. Diese Erkenntnis erschwerte die ohnehin schon komplexe Operation um ein Vielfaches.

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Vater Brendan Clark miit Sohn Dexter Clark

Da der Junge nur knappe zehn Kilogramm wog, waren die Ärzte nun besorgt über die Sicherheit sowie auch Machbarkeit einer Nierentransplantation. Um sicherzustellen, ob eine solche Transplantation überhaupt möglich wäre, kommt normalerweise eine invasive chirurgische Untersuchung zum Einsatz, bei welcher Patienten unter Narkose stehen.

Die behandelnden Ärzte der Guy’s und St. Thomas‘ NHS Foundation Trust wollten einen solchen Eingriff verhindern und entwickelten daraufhin ein bahnbrechendes Verfahren. Mit dem Einsatz von 3D-Scanning konnten die Ärzte zwei sehr komplexe, detaillierte sowie auch patientenspezifische Modelle der Niere des Vaters sowie dem Bauchraum des Jungen erstellen. Diese wurden in weiterer Folge für genauere Analysen auf einem 285K Multi-Material Stratasys 3D-Drucker realisiert.

„Die Fähigkeit, ein 3D-Modell der Anatomie des Patienten in verschiedenen Texturen zu drucken, wobei die Feinheiten der Blutgefäße deutlich sichtbar sind, ermöglicht uns eine Differenzierung kritischer anatomischer Beziehungen zwischen Strukturen. Die flexiblen Materialien erlaubten uns auch, die Flexibilität von Organen innerhalb des Abdomens zur Simulation der chirurgischen Umgebung besser nachzuahmen,“ erklärte Mr. Pankaj Chandak, Transplantationsregisträr bei Guy’s and St Thomas’ NHS Foundation Trust.

Anhand dieses Verfahrens konnten die Chirurgen feststellen, dass dieser Eingriff bei dem kleinen Jungen möglich sei. Auch am Tag des Eingriffes standen die 3D-gedruckten Modelle den Chirurgen im Operationssaal zur Seite.

„Diese Technologie hat das Potenzial, unseren Entscheidungsprozess sowohl während der präoperativen Planung als auch im Operationssaal wirklich zu verbessern und zu unterstützen, und kann daher bei der Sicherheit einer sehr komplexen Operation helfen und unsere Patientenversorgung verbessern,“ fügte Chandak hinzu.

Auch Dexters Mutter Emily Clark kann ich Glück kaum in Worte fassen:

„Seit der Transplantation ist Dexter ein veränderter Junge, der zum ersten Mal feste Nahrung zu sich nimmt. Wir wussten immer, dass die Operation kompliziert sein würde, aber zu wissen, dass die Chirurgen die Operation mit 3D-Modellen geplant hatten, die exakt der Anatomie von Niere und Sohn meines Mannes entsprachen, war äußerst beruhigend. Wir hoffen, dass Dexters Fall anderen leidenden Familien die beruhigende Gewissheit geben wird, dass Spitzentechnologie wie der 3D-Druck Chirurgen dabei helfen kann, ihre Angehörigen besser zu behandeln.“

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Michelle
Michelle befindet sich derzeit in einer Lehrausbildung zur Medienfachfrau im Bereich Marktkommunikation und Werbung. Schon früh entdeckte sie ihre Leidenschaft für das Schreiben und war bereits zwei Jahre lang als Praktikantin bei einem Wiener Online-Magazin tätig. In ihrer Freizeit beschäftigt sich die gebürtige Wienerin gerne mit grafischer Gestaltung und Umweltschutz.