Home Forschung & Bildung EU-gefördertes Projekt NESSIE nutzt 3D-Druck zur Beschleunigung der Impfstoffproduktion

EU-gefördertes Projekt NESSIE nutzt 3D-Druck zur Beschleunigung der Impfstoffproduktion

Mit dem Forschungsprojekt NESSIE ist es erstmals möglich, hochkomplexe Impfstoffe in großen Mengen kostengünstig mittels keramischem 3D-Druck herzustellen. Das neuartige Verfahren macht Impfstoffe für Länder verfügbar, die sich bisher die hohen Kosten für wichtige Impfstoffe wie Masern oder Röteln nicht leisten konnten.

Die jüngste Pandemie, die durch das COVID-19-Virus ausgelöst wurde, zeigt der Welt die Bedeutung und den großen Bedarf an Impfstoffen, die solche Krankheiten wirksam bekämpfen können. Die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs erfordert jedoch große Anstrengungen und höchste Sicherheitsstandards. Die Herstellung ist daher oft langsam und sehr teuer. Das Projekt NESSIE setzt genau an diesen Schwachstellen an. Initiiert wurde NESSIE von SINTEF, einer norwegischen Forschungsorganisation, Lithoz, dem Weltmarktführer im 3D-Drucken von Keramiken, und IBET, einem portugiesischen biopharmazeutischen Forschungszentrum. genIbet und Cerpotech traten dem Konsortium bei und brachten ihr Fachwissen über die Herstellung von Biopharmazeutika bzw. innovativen Materialien ein. Das Projekt zielt darauf ab, die Effizienz bei der Herstellung von Impfstoffen zu erhöhen und trägt bereits zur Entwicklung neuartiger Methoden zur Reinigung von Viren, wie z.B. Adenoviren, bei.

Adenoviren sind ausgezeichnete Überträger für die Übertragung von Genen oder Impfstoffantigenen auf den Menschen. Viele der erfolgreichen Impfstoffe verwenden nämlich Viren, um die notwendigen Komponenten für die Immunisierung zu liefern. Die Herstellung solcher Viren ist teuer. Außerdem ist wie bei vielen Substanzen, die für den Menschen verwendet werden, besondere Vorsicht bei der Reinheit geboten, und die Reinigung dieser Viren ist sehr teuer.

Durch den Einsatz des ultrahochauflösenden keramischen 3D-Drucks und die Anwendung eines neuartigen Designs für die Herstellung von Chromatographie-Säulen (der fortschrittlichsten Reinigungstechnologie) wird das Projekt die Trennung verbessern und die Produktionskosten senken. NESSIE ist es gelungen, die ersten chromatographischen Träger herzustellen und wird sie bald für die Reinigung von Adenoviren testen.

Das Nessie-Forschungsprojekt zeigt, dass revolutionäre Technologien wie der 3D-Druck unser Gesundheitssystem nachhaltig verbessern können. Schon heute sehen wir die Stärken dieser digitalen Technologie. Angesichts der derzeitigen Schließung und des Mangels an medizinischen Hilfsmitteln hat der 3D-Druck bewiesen, dass die Herstellung vor Ort mehr sein kann als nur die Herstellung von Prototypen. Der 3D-Druck trägt dazu bei, Komponenten unabhängig vom Standort und ohne Abhängigkeit von komplexen Lieferketten schnell und kostengünstig zu reproduzieren.

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