Home Forschung & Bildung Studie: Nutzen von 3D-Druck für indigene Gemeinschaften

Studie: Nutzen von 3D-Druck für indigene Gemeinschaften

Im Rahmen einer neuen Studie untersuchte ein Forscher-Team den Nutzen von 3D-Druck für indigene Gemeinschaften. Erste Ergebnisse konnten bereits in Fällen von nomadischen Rentier-Hirten erhoben werden.

Oft haben abgelegene Gemeinschaften oder Völker mit Problemen zu kämpfen, deren Lösung für unsere fortschrittliche Welt offensichtlich oder simpel wirken. Doch ein oft fehlender Zugang zu Elektrizität, kein Zugang zu traditionellen Lieferketten und Produktionsstätten stellen so Manchen vor eine Herausforderung.

Im Rahmen einer neuen Studie, welche unter dem Titel “Perspektiven der Anwendung von 3D-Druck auf die Ökonomie von abgelegenen Gemeinschaften: Rentier-Hirten-Fall” publiziert wurde, möchten Forscher nun den Nutzen von 3D-Drucktechnologien zur Bewältigung dieser Herausforderungen untersuchen.

Isolation, extreme Landschaften und Klima, schlechte oder nicht vorhandene Straßen – dies sind nur einige der vielen Herausforderungen, mit welchen Rentier-Hirten täglich konfrontiert sind. Um den Nutzen von 3D-Drucktechnologien in diesen Lebensumständen zu testen, stellte ein Forscherteam Rentier-Hirten weltweit kostengünstige Open-Source-3D-Drucker sowie zahlreiche Open-Source-Designs zur Verfügung. Im Rahmen dieses Vorhabens konzentrierten sich die Forscher vorwiegend auf drei Fallstudien: Ohrmarken, Elektrozaungeräten sowie auf Lasso-Zubehör.

3D-gedrucktes Lasso-Zubehör

Da Rentier-Hirten notwendigerweise meist technisch versiert sind, wurden für diese Fallstudien RepRap 3D-Drucker zur Verfügung gestellt. Der erste Versuch beschäftigte sich mit dem 3D-Druck von Ohrenmarken für die Tiere, wobei das Design mithilfe der OpenSCAD-Software erstellt wurde.

“Das Design hängt von einer Liste von Variablen ab, die geändert werden können, um das Design zu verändern”, erklären die Forscher. “In den Entwurf wurden zwei Textzeilen eingefügt, die so geändert werden können, dass sie für jedes Tag eindeutige Identifikationsnummern oder Namen ergeben, und können durch die Verwendung der Variablen schnell geändert werden. Der Text ist in die Ohrmarke eingelassen, um den 3-D-Druck zu erleichtern und zu verhindern, dass der Text unlesbar wird. Der Text wird ebenfalls auf die Abmessungen der Ohrmarke skaliert, die auch durch die Variablen verändert werden können. Es ist möglich, durch die Änderung von Variablen viele völlig einzigartige Ohrmarken aus einer Datei zu erstellen.”

Während die Marken selbst aus TPE (Thermoplastische Elastomere) 3D-gedruckt wurden, nutzten die Forscher bzw. Rentier-Hirten PLA für den Druck der Befestigungs-Stifte.

Eine zweite Studie beschäftigte sich mit der additiven Fertigung von temporären Zäunen. Die am häufigsten benötigten Kunststoffkomponenten bei dem Bau von Eletrozäunen sind nach Aussage der Forscher Isolatoren. Eben diese wurden in einem ersten Schritt in der OpenSCAD-Software designed. Gleich wie die Ohrenmarken, lassen sich auch die Parameter der Isolatoren je nach Bedarf leicht ändern. Um die nötige Haltbarkeit zu garantieren, wurde auch diese aus PLA 3D-gedruckt.

3D-gedruckte Isolation

Die dritte und somit letzte Fallstudie beschäftigte sich mit dem 3D-Druck von Lasso-Zubehör. Ebenso wie die Isolatoren wurde auch dieses in OpenSCAD designed und aus PLA 3D-gedruckt.

In jeder dieser Fallstudien kamen die Forscher zu dem Schluss, dass der Einsatz von 3D-Drucktechnologien die Kosten für Rentierzüchter erheblich einspart. Weltweit konnten durch diese Initiative mehr als 2 Millionen US-Dollar beziehungsweise durchschnittlich 307 US-Dollar pro Hirten-Gruppe eingespart werden.

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