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3D-Druck für die Reparatur

Das Projekt „3D-Druck und Reparatur“ hat das Ziel Maker- und Reparatur-Szene zu vernetzen, um die Nachhaltigkeitspotentiale additiver Fertigungsverfahren zu nutzen. Durch den 3D-Druck von Ersatzteilen können Alltagsgeräte länger genutzt werden. Dabei werden Ressourcen geschont, die sonst für die Produktion neuer Geräte benötigt würden.

Hintergrund ist der stetig wachsende Berg an Elektroschrott. Die Reparatur von Elektrogeräten ist trotz ihrer ökologischen Vorteile stark rückläufig. KonsumentInnen entscheiden beim Defekt eines Gerätes auf der Basis von Kosten, Zeit- und Arbeitsaufwand direkt zwischen Reparatur und Ersatzanschaffung. Häufig stellt dabei der Zugang zu passenden Ersatzteilen, für Privatpersonen sowie für freie Reparaturwerkstätten, eine Hürde dar. Ersatzteile sind oft nur zu unverhältnismäßigen Preisen erhältlich oder, gerade bei älteren Geräten, garnicht mehr lieferbar.

Mit Hilfe von 3D-Druckern ist es möglich, einfache Ersatzteile zu erschwinglichen Preisen herzustellen und in Altgeräte einzubauen. Damit kann die Lebensdauer von Elektro- und Haushaltsgeräten verlängert werden. Aus ökologischer Sicht ist in den meisten Fällen eine möglichst lange Nutzungsdauer vorteilhaft. Denn die Her- und Bereitstellung jedes neuen Produktes ist mit Ressourcenverbrauch, zum Beispiel für die Rohstoffförderung und dem Energiebedarf für Produktion und Transporte, verbundenen.

Neben der Option einen professionellen Reparaturbetrieb zu beauftragen, haben sich vielerorts Reparatur-Initiativen und Repair Cafés etabliert, die die Reparatur auf nicht kommerzieller Ebene durch ehrenamtliche ReparateurInnen organisieren und so die Reparatur von Geräten ermöglichen, die sonst entsorgt würden. Dabei gibt es nicht nur ökologische Vorteile beim gemeinsamen Reparieren. Es treten auch soziale Aspekte der lokalen Vernetzung von BürgerInnen in den Vordergrund und die Unterstützung sozial schwacher Gruppen, die sich nur eine günstige Reparatur aber keine Neuanschaffung eines Geräts
leisten können.

Ein immer wiederkehrender Fall wäre ein kaputtes Zahnrad in einem Handmixer. Hier lohnt sich eine professionelle Reparatur aufgrund der hohen Arbeitskosten und der geringen Neupreise der Geräte meist nicht. In einem Repair Café, das einen 3D-Drucker zur Verfügung hat oder sogar in einem Makerspace stattfindet, ist es möglich das Zahnrad zu einem günstigen Preis nachzudrucken. Soll es ein besonderes Material wie Nylon sein, kommt ein Druck bei einem lokalen 3D-Druck-Dienstleister (Hub) in Frage. Die Produktion inklusive Lieferzeit ist dabei meist nicht zeitaufwendiger als die Bestellung eines Original-Ersatzteils. Es gibt sogar Dienstleister, die spezielle Tarife für Repair Cafés anbieten (s. 3d-reparatur.de/linkliste/). Ein Nadelöhr im Ablauf ist jedoch der Zugang zu den 3D-Modellen. Von
Vorteil ist es, wenn sich ein 3D-Modelleur unter den Helfern oder im Netzwerk der Reparatur-Initiative befindet. Auch auf Modell-Plattformen gibt es schon einige Ersatzteile, die jedoch teilweise schwer aufzufinden sind. Hier wäre eine umfangreiche Plattform mit dem Schwerpunkt auf Reparatur nützlich, die
Ersatzteil-Dateien, ergänzende Informationen und Erfahrungsberichte bereitstellt.

Die Produktion von einem 3D-gedruckten Ersatzteilen ist besonders
interessant, wenn…

… das Ersatzteil unverhältnismäßig teuer ist.
… nur als gesamte Einheit oder im großen Gebinde verfügbar ist.
… das
Original-Ersatzteil nicht mehr verfügbar ist, beispielsweise weil der
Hersteller keine Ersatzteile mehr vorhält.
… der Hersteller ein Ersatzteil nicht frei zur Verfügung stellt,
sondern nur an ausgewählte Vertriebspartner liefert.
… ein defektes Teil gar nicht als ein Ersatzteil erhältlich ist, wie
ein Teil eines Gehäuses.
… ein individuelles Teil als Hilfsmittel für den Reparaturprozess benötigt wird.
… eine Funktionsverbesserung wie eine Verstärkung von
unterdimensionierten Teilen gewünscht ist.

Im Rahmen des Projekts wurden AkteurInnen aus Makerspaces und Fab Labs als Know-how-TrägerInnen der 3D-Drucktechnologie mit InitiatorInnen von Repair Cafés und Reparaturbetrieben in deutschlandweiten Workshops vernetzt. Zudem sind unterstützende Materialien wie eine Leitfaden-Broschüre und ein Workshop-Konzept entstanden, die kostenlos auf der Projekt-Webseite zum Download bereitstehen.

Das Projekt wird vom Sustainable Design Center e.V. im Rahmen einer Verbändeförderung des Umweltbundesamtes durchgeführt.

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