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Wie 3D-Druck die Branchen für Inneneinrichtung disruptiv verändern wird!

Die prexels GmbH aus dem beschaulichen Ruhstorf an der Rott hat sich mit ihrer Gründung des Startups Desoodo.com im Jahr 2020 zur Zielsetzung gemacht, den Markt für Inneneinrichtung auf den Kopf zu stellen. Das neue Businessmodel von Desoodo ermöglicht es Ideen im Produktdesign bzw. Innenarchitektur mit Hilfe von 3D-Druck umzusetzen und kundenspezifisch sowie konkurrenzfähig auf dem Markt anzubieten. Der disruptive Einfluss von 3D-Druck, die Rahmenbedingungen und die Struktur eines existierenden disruptiven Ökosystems wurden in einem Interview mit dem CEO und Mitgründer von Desoodo, Mathias Burkhart analysiert.

Individuell & teuer vs. standard und erschwinglich?

Durch das Festhalten an traditionellen Fertigungsverfahren und dadurch limitierende Fertigungsmöglichkeiten ist eine Veränderung in der Umsetzung von Designs längst überfällig. Denn auch wenn 3D Druck heute bereits in aller Munde ist und in der Industrie bereits weitreichende, neue Möglichkeiten bietet, ist der Markt, der am meisten davon profitiert noch außen vor. Auf Grund der fast grenzenlosen Designfreiheit, die der 3D-Druck bietet, sollte dieser auch in den Kreativen Branchen immer relevanter werden.

Denken Sie einmal darüber nach, wie Sie ihre Raumausstattung zusammenstellen. Vermutlich gehen Sie zu einem der großen Möbelhäuser in Ihrer Umgebung oder schauen sich online bei den Namhaften Möbelhändlern um. Sie werden bemerken, dass alle im Großen und Ganzen das genau gleiche Angebot haben. Meist ist dieses erschwinglich und unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter kaum. Sie finden also preislich annehmbare Inneneinrichtung, welche aber standardisiert und mit wenig anspruchsvollem Design aufwartet.

Möchten Sie aber nun exklusive und individuelle Raumausstattung, so ist diese meist schwer zu finden und preislich teuer. Oft erhalten Sie eine solche Einrichtung auch nur über professionelle Raumausstatter oder Innenarchitekten, welche aber natürlich auch noch Geld kosten. Ganz zu schweigen von einer langen Lieferzeit für individuelle und exklusive Produkte.

Wir können also die aktuellen Probleme im Markt wie folgt zusammenfassen:

Bei den Großen Möbelhäusern werden Innenausstattungen in Massenfertigung angeboten und wiederholen sich auch in Ihren Designs zyklisch, sind dadurch aber für die breite Masse erschwinglich. Exklusive Designermöbel hingegen sind schwierig zu finden und zudem hochpreisig. Möbelhäuser haben hohe Lagerhaltungskosten und sind dadurch ressourcen- und kapitalintensiv. Durch den Onlinehandel werden viele Rückläufer produziert, da der Kunde sich die Produkte meist nicht in seinem Umfeld vorstellen kann. Durch die komplexen Wertschöpfungsketten und global gespannten Logistiknetzwerke profitieren regionale Betriebe kaum. Der Kunde muss also meist auf die fertigen, in den Möbelhäusern ausgestellten Produkte zurückgreifen.

Auch der Produktdesigner selbst steht meist vor einem Problem. Er hat ein kreatives Design, aber es fehlen Ihm die Anlaufstellen für die schnelle Realisierung seiner Ideen, insbesondere bei moderaten Stückzahlen. Bislang steht der Designfreiheit von Produktdesignern und ihrer Kreativität das fehlende technische Denken bei der Umsetzung und Herstellung ihrer Ideen entgegen. Zudem setzen auch die herkömmlichen Fertigungsverfahren der Kreativität von Designern Grenzen. Im Gegensatz hierzu ist einer der größten Vorteile bei der Verwendung von 3D-Druck die erweiterte Designfreiheit.

Was wäre aber, wenn jedes Haus, jede Wohnung oder jedes Büro innerhalb weniger Wochen, perfekt nach den individuellen Wünschen und Bedürfnissen der Eigentümer abgestimmt und eingerichtet ist, ohne hohe Kosten für dessen Konzipierung, Provisionen in Verkaufsketten oder komplexer, zeitintensiver Wertschöpfungsketten?

All dieser Problematik kann durch das Desoodo-Ökosystem entgegengewirkt werden. So können außergewöhnliche, individuelle und erschwingliche Einrichtungsgegenstände hergestellt und jedem designbewussten Kunden angeboten werden. Dies ist das Ziel von Desoodo. Durch die digitale Plattform wird es Produktdesignern ermöglicht, ihre außergewöhnlichen Ideen in den Möbelmarkt und mehr Kreativität in den Wohnraum der stilbewussten Kunden zu bringen.

Desoodo – Ein disruptives, 3D-Druck-basiertes Ökosystem schafft den Brückenschlag

Durch Disruption werden alte Technologien oder Geschäftsmodelle durch neue ersetzt oder Probleme auf neue Art und Weise gelöst. Disruptiv ist die Desoodo-DNA, doch was sind die disruptiven DNA-Stränge?

Produktentwicklung

  • Mehr Designfreiheit: 3D-Druck ermöglicht die Fertigung ansprechender Geometrien welche mit herkömmlichen Fertigungsmethoden nur mit hohem Aufwand oder gar nicht hergestellt werden können. Im Vergleich zu handgefertigten Designerstücken können bei der automatisierten, „werkzeuglosen“ 3D-Druck-Produktion Kosten gesenkt und diese reproduzierbar gefertigt werden. Anspruchsvolle Designs sind dadurch erschwinglich und differenzierbar zum Standardsortiment der großen Möbelhäuser.
  • Demokratisierung des Produktdesigns: Unabhängig von Berufsgruppe und Alter kann sich jeder mit seinen Ideen und Wünschen an das Entwicklerteam von Desoodo wenden und so als Impulsgeber auf den Markt einwirken. Für jeden Reifegrad einer Idee, Budget (Student, Arbeitnehmer, Unternehmen etc.), Komplexität oder Vermarktungsstrategie existieren optionale, fest definierte Vorgehensweisen bei Desoodo. Dadurch können von der kostengünstigen Designervase für eine Studienarbeit bis zur exklusiven Kollektion auf der Luxusyacht alle Budgetgruppen abgedeckt werden.
  • Kollektionen statt Einzelprodukte: Ein für Designer großer Vorteil des 3D-Druckes ist die Kreation von Kollektionen ohne zusätzliche Kosten für Werkzeuge. Egal ob Lampenschirm, Hängeleuchte oder Vase, der 3D-Drucker kann mehrere, unterschiedliche Objekte gleichzeitig in einem Druck fertigen. Die Vorteile für den Endkunden sind die enorme Zeitersparnis bei der Einrichtungssuche sowie ein besser abgestimmtes Wohnkonzept als es mit der Zusammenstellung von Einzelstücken möglich ist.

Produktion

  • Nachhaltige Wertschöpfungsketten: 3D-Druck ermöglicht die „werkzeuglose“ Produktion auf Bestellung („production on demand“). Dadurch können Ressourcenintensive Materialbestände minimiert werden. Das Einsparen von Werkzeugen schont Materialressourcen und reduziert neben deren Lagerhaltung gleichzeitig Entwicklungszeiten und -kosten, welche sich auf die Produktherstellung und -kosten unmittelbar auswirken. Weiterhin fallen bei der 3D-Druck-Produktion weniger Nebenprodukte (Abfälle, Klebstoffrückstände, schwer recyclebare Kühlschmierstoffe) an.
  • Nachhaltige Produkte: Durch die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen wie z.B. Holz in den Produkten, umweltverträglichen Farbgebungsmethoden und rezyklierbaren Thermoplasten im 3D-Druck, können nachhaltigere und umweltfreundlichere Produkte angeboten werden.
  • Lokale Produktion: Zur Minimierung der Ausfallrisiken von globalen Lieferketten sowie der Lieferzeiten beim „production on demand“ Ansatz, setzt Desoodo zum überwiegenden Teil auf lokal angesiedelte Zulieferer. Dies unterstützt neben der erhöhten Flexibilität und Agilität der Geschäftsprozesse die Stärkung der lokalen Wirtschaft. Nicht unerwähnt sollte hier das Argument der Prävention von Ausbeutung und schlechten Arbeitsbedingungen in rechtlich schwach ausgeprägten Billiglohn-regionen, sein.
  • Immanente soziale Verantwortung: Eine zentrale Philosophie in der 3D-Druck-Produktion ist die Fertigung von hoch komplexen Geometrien im 3D-Druckprozess, während einfachere Geometrien aus wirtschaftlichen Gründen weiterhin mit herkömmlichen Fertigungsmethoden produziert werden. Wird dieser Ansatz auch bei Produktdesignern konsequent berücksichtigt, fördert dies die Einbeziehung von produzierenden Einrichtungen, welche mental oder physisch eingeschränkte Mitmenschen betreuen.
    Vermarktung & Verkauf
  • Möbelhäuser obsolet: Durch den „production on demand“ Ansatz werden Möbelhäuser mit ihren Ressourcenintensiven Ausstellungsflächen, Lagerhäusern und Logistik obsolet.
  • Ausstellungsfläche direkt am Bestimmungsort: Die Möglichkeit Einrichtungsgegenstände in 3D zu besichtigen wird zukünftig durch eine Augmented Reality -Lösung realisiert. Der Kunde kann sich damit Objekte über ein mobiles Endgerät in seine Umgebung projizieren. Im Gegensatz zum Möbelhaus, können Objekte am Bestimmungsort begutachtet werden, der zeitintensive Möbelhausbesuch entfällt und Entscheidungen unter Zeitdruck werden reduziert. Im Vergleich zum herkömmlichen Onlinehandel sollen durch die AR-Lösung Rückläuferquoten reduziert werden.
  • Entwicklung, Produktion & Vermarktung aus einer Hand: Die angegliederte Vermarktungsplattform wird von professionellen Akteuren mit langjähriger Erfahrung im Onlinehandel betreut. Jeder Designer hat die Option seine Produkte über diese Plattform zu vermarkten. Derzeit im deutschsprachigen Raum, zukünftig auch international.
  • Struktur und Rahmenbedingungen des Ökosystems

    Impulsgeber (Produktdesigner/-innen, Privatkunde, Innenarchitektinnen/-en, u.a.) des Ökosystems nehmen eine zentrale Stellung ein. Sie liefern die Inspiration, Kreativität und Designs, während das Desoodo Team bei der anforderungsgerechten Realisierung bis zum ersten physischen bzw. digitalen Prototypen unterstützt. Die höchste Priorität hat dabei die exakte Realisierung nach den Vorstellungen der Impulsgeber. Durch das Entwicklerteam von Desoodo stehen den Designern Experten zur Seite, welche Erfahrungen im Produktdesign, Fertigung und Montage sowie in der Oberflächenveredelung mitbringen. Fertigung und Montage erfolgt durch den auf 3D-Druck spezialisierten Fertigungsdienstleister prexels GmbH. Mit einer über mehrere Jahre aufgebauten und qualifizierten Supply Chain können Designs vom Einzelstück bis zu Serien mit Stückzahlen im vierstelligen Bereich abgebildet werden. Auch die Vermarktung über Desoodo kann von den Impulsgebern in Anspruch genommen werden, um ihre Designs konkurrenzfähig bei der richtigen Zielgruppe zu platzieren. Ebenso können Endkunden und Designer/-innen bzw. Innenarchitektinnen/-en in Verbindung gebracht werden, um spezielle Kundenwünsche in ein Design zu verwandeln. Dazu hat der Endkunde die Möglichkeit, auf der Onlineplattform die eigens angelegte Designer Lounge zu durchstöbern. Hier werden nicht nur die Designer mit Ihren Kollektionen vorgestellt, sie bietet auch die Möglichkeit eigene Designs und Ideen hochzuladen, um sie umzusetzen. Im Onlineshop stehen dann die umgesetzten Designs, in diversen Preissegmenten, zum Kauf zur Verfügung.

    Nicht zuletzt erfordert das Geschäftsmodell eine gewisse Akzeptanz für Paradigmenwechsel. Der „production on demand“ Ansatz verlangt den Akteuren in der Supply Chain, Logistik und der Produktion die Bereitschaft sowie eine hohe Kompetenz im Bereich Variantenmanagement ab. Langjährige Erfahrung in der Produktion, optimal abgestimmte Prozesse und eine ordentliche Portion Motivation sorgen hier für den harmonischen Klang des orchestrierten Zusammenspiels. Durch den Verzicht auf Lagerbestände ist jedoch teilweise mit längeren Lieferzeiten als im konventionellen Onlinehandel zu rechnen. Designerinnen/-n bzw. Innenarchitektinnen/-en wird der Fokus auf kreatives Denken ermöglicht, statt auf die Berücksichtigung der Umsetzbarkeit zu achten. Die kürzeren Entwicklungszyklen im 3D-Druck ermöglichen eine schnellere Erfassung von Markttrends oder spezifischen Kundenwünschen. Dies könnte für den ein oder anderen Produktdesigner eine neue Erfahrung sein, mit der es umzugehen gilt. Mag es für den einen eine wertvolle Richtungsvorgabe sein, ist es für den anderen eine Einschränkung seiner eigenen Ideen. Neben dem einfachen Onlineshoppen hat der Endkunde die Möglichkeit aktiv in das Produktdesign einzuwirken, um so seine Wünsche und Vorstellungen besser in die Wohn- bzw. Arbeitsumgebung einbringen zu können.

    Die Offensive ist in vollem Gange

    Durch die umfangreichen Möglichkeiten, die der 3D-Druck in der Designbranche bietet, sind zukünftig einschneidende Veränderungen in den bestehenden Geschäftsmodellen, Wertschöpfungsketten sowie Dienstleistungen zu erwarten. Nicht nur Privatkunden, sondern auch Agenturen für Innenarchitektur bis hin zu großen DAX-Konzernen wie SIEMENS klopfen bereits an die Tore von Desoodo um mehr Lifestyle in die Arbeitswelt 2.0 zu bringen. Darüber hinaus gibt es mehrere Interessensbekundungen für Joint Ventures mit etablierten Unternehmen aus den genannten Branchen. Die nächste „Disruptionsstufe“ befindet sich bereits in der Konzeptphase und wird in einem weiteren Artikel vorgestellt werden.

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