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Additive Fertigung rechtlich und technisch absichern

Wer additive Fertigungsverfahren nutzen will, steht nicht nur vor technischen und wirtschaftlichen Herausforderungen, sondern muss die Digitalisierung seiner Produktion auch rechtlich absichern und außerdem zur Verfügung stehende technische Möglichkeiten ausschöpfen.

Der wirtschaftliche Erfolg des Einsatzes des 3D-Drucks im industriellen Rahmen kann von Fragen folgender Art abhängen:

  • Sind unsere Produkte vor Nachahmern geschützt und was geschieht, wenn unsere 3D-Modelle in die Hände von Produktpiraten oder Wettbewerbern gelangen?
  • Sind unsere Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse sicher?
  • Was ist zu tun, wenn es zum Rechtsstreit kommt?
  • Was ist bei der Auslagerung der additiven Fertigung auf Dienstleister und Zulieferer zu beachten?
  • Wer ist für Produktfehler verantwortlich?
  • Wie lässt sich eine Haftung der Geschäftsführer für Produktfehler vermeiden und wie können wir uns vertraglich absichern?

Rechtsanwalt Marco Müller-ter Jung aus Köln, Partner bei DWF Germany Rechtsanwaltsgesellschaft mbH und  Stellvertretender Vorsitzender im VDI-Ausschuss „Rechtliche Aspekte der additiven Fertigungsverfahren” bringt die Problematik auf den Punkt:

“3D-Printing ist in der industriellen Fertigung häufig ein hochkomplexer Prozess mit unterschiedlichsten Verfahrensschritten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Je vielschichtiger diese Wertschöpfungskette ist, und umso mehr Beteiligte einzelne  Leistungen auf den Wertschöpfungstufen erbringen, desto komplexer wird die rechtliche Beurteilung, wenn es im Laufe der Produktion zu Fehlern, Mängeln oder gar zu Schäden kommt.”

Besonders schwierig gestalte sich die Klärung, so Müller-ter Jung, wenn sich die Probleme erst im Endprodukt erkennen lassen und festgestellt werden müsse, in welchem Verfahrensschritt genau der Fehler verursacht wurde und wem konkret dieser zuzurechnen sei.

Der 3D-Druck Solingen Netzwerkpartner und Münchener Rechtsanwalt Dr. Andreas Leupold von Leupold Legal, Kanzlei für 3D-Druck & Recht macht auf einen weiteren juristischen Aspekt aufmerksam:

„Additive Fertigung wird den Versand von Werkstücken und Produkten verändern, wenn 3D-Modelle online an 3D-Drucker von Zulieferern, Dienstleistern oder Kunden übermittelt und Daten statt Erzeugnisse bewegt werden. Dieser Einsparung von Versand und Lagerhaltungskosten stehen Risiken gegenüber. Geraten Dateien in die Hände von Wettbewerbern oder Produktpiraten, so verfügen diese über die „Blaupause“ für die Herstellung von originalgetreuen Kopien. Wer seine Fertigungsanlagen vor Angriffen von außen absichert, ist nicht davor geschützt, dass Dateien intern kopiert und Dritten überlassen werden. Unternehmen, die selbst (noch) nicht additiv fertigen, tragen das Risiko eines Nachbaus ihrer Produkte durch 3D-Scans.”

Der Autor des Handbuchs „3D-Druck, Additive Fertigung und Rapid Manufacturing“ sieht Klärungsbedarf beim  Urheber- und Wettbewerbsrecht: “Wie  kann Schutz vor Produktimitationen gewährt und wie gegen Verletzter vorgegangen werden. Unter welchen Voraussetzungen sind Produktdaten, die keinem Urheberrechtsschutz unterliegen, als Geschäftsgeheimnis geschützt und welche zivil- und strafrechtlichen Sanktionen bestehen für den Fall der Industriespionage?”

Neben den rechtlichen Möglichkeiten zum Schutz geistigen Eigentums existieren technische Möglichkeiten, die es auszuschöpfen gilt. Mit diesem Thema befasst sich der 3D-Messtechnikspezialist Dipl.-Ingenieur Christian Klostermann aus Remscheid. Frei nach dem Motto: “Produktpiraten mit den eigenen Waffen schlagen”,  bietet der Partner des Netzwerks 3D-Druck Solingen High-Tech Lösungen auf der Basis von 3D-Röntgen-Scan an, mit denen sich Produktpiraten in Sekundenschnelle entlarven lassen.

3D-Druck Solingen hat zu diesem Gesamtkomplex im Netzwerk einen darauf spezialisierte Fachbereich eingerichtet und wird zukünftig mehrere Veranstaltungen und Workshops, beginnend am 6. Juli 2016 in Solingen, durchführen. Mehr dazu hier.

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