Home Gastbeiträge Copy, transform, combine: Thingiverse und der Remix als Quelle für neue Ideen

Copy, transform, combine: Thingiverse und der Remix als Quelle für neue Ideen

Woher kommen eigentlich all die Designs, die wir mit unseren 3D-Druckern drucken? Vier deutsche Forscher haben sich auf der Plattform Thingiverse auf die Suche begeben und ihre Ergebnisse nun in einem wissenschaftlichen Artikel veröffentlicht.

In einem kürzlich veröffentlichten wissenschaftlichen Artikel in der Zeitschrift “Journal of Information Technology” untersuchen die Forscher Christoph Flath, Marco Wirth und Frédéric Thiesse von der Universität Würzburg zusammen mit Sascha Friesike von der VU Amsterdam, wie Nutzer der Plattform Thingiverse existierende Designs wiederverwenden, um neue zu erstellen. Solch ein neues Design wird als Remix bezeichnet.

Blockbot V3.1 des Designers msruggles
Blockbot V3.1 des Designers msruggles

Der ausführliche Artikel geht vier Leitfragen nach. Zuerst erörtert er die Bedeutung des Remixens bestehender Designs durch andere Nutzer. Dabei zeigen die Forscher, dass Remixen die Grundlage für die Hälfte der Designs auf der Plattform ist und damit eine wesentlichen Rolle zur Popularität von Thingiverse beiträgt. Im Weiteren schauen sich die Forscher an, ob Remixe bestimmten Mustern folgen und können zeigen, dass sich die Aktivität auf Thingiverse auf acht grundlegende Muster zurückführen lässt. Die Forscher zeigen auch, wie die Plattform gewachsen ist, seit die Möglichkeit für sehr simple Remixe (sog. Customizer) eingeführt wurde. Zusätzlich erläutern die Forscher wie die Möglichkeit zu remixen von bestimmten Nutzergruppen aufgefasst wird. Der Artikel gibt einen spannenden Einblick hinter die Kulissen von Thingiverse und zeigt, wie die offene Online-Community davon profitiert, dass Nutzer aufeinander aufbauen können.

Prof. Dr. Sascha Friesike von der KIN Research Group der VU Amsterdam erläutert:

Wir wissen in der Forschung seit langem, dass die meisten Ideen auf bereits bestehendes Wissen zurückgreifen. Es ist aber unglaublich schwer das sichtbar zu machen. Wenn wir zu einer Firma gehen und fragen, woher kommt diese Idee, dann sagen die uns, dass ihnen das alles selbst eingefallen ist. Wir wissen, dass das nicht stimmt, aber wir können es meistens nicht zeigen. In der 3D-Druck-Community wird die Wiederverwendung explizit erlaubt und die Nennung der Inspirationsquelle macht es für uns Forscher möglich, herauszubekommen, wie Ideen sich weiterentwickeln. Wir können damit auch zeigen, wie viel kreatives Potential in dem offenen Umgang mit Wissen steckt. Thingiverse hat auch deshalb so viele gute Designs, weil Kreative sich gegenseitig inspirieren und man nicht erstmal klären muss, was man nun eigentlich verwenden darf und was nicht.

Der Artikel wurde – wie auch die 3D-Modelle bei Thingiverse – unter einer Creative Commons Lizenz veröffentlicht und ist damit für jeden les- und nutzbar.

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