Home Gastbeiträge Entsteht ein weltweiter Markt für Produktionskapazitäten mit 3D-Druckern?

Entsteht ein weltweiter Markt für Produktionskapazitäten mit 3D-Druckern?

“Airbus setzt im Werk Bremen verstärkt auf Additive Manufacturing”, lautet die Überschrift eines Artikels vom 15.08.2015 auf 3druck.com. Er endet mit folgendem Zitat des Airbus-Managers Peter Sander: “Nicht nur der Flugzeugbau ist von der Umwälzung durch den 3D-Druck betroffen – das wird alle Industriezweige betreffen; aber die meisten Unternehmer bei uns haben das noch nicht so recht begriffen.”

Bei Airbus zieht man die Konsequenzen und will zukünftig 10% seiner Bau- und Ersatzteile mittels Additiver Fertigung selbst herstellen.

Erleben wir also die Renaissance der Fertigung in Eigenregie dank 3D-Druck? Oder kann man sich genauso gut vorstellen, dass eine neue Zulieferindustrie entsteht, die sich auf die Additive Fertigung spezialisiert?

Im Gegensatz zu traditionellen Fertigungsmaschinen und -verfahren bieten 3D-Drucker Formfreiheit. Flugzeugteile können also überall aus 3D-Druckern kommen, sofern diese das gewünschte Material in der geforderten Qualität verarbeiten. Deshalb gibt es bereits in Deutschland Lohnfertiger, die mit hochleistungsfähigen 3D-Druckern das Outsourcing der Produktion anbieten (vgl.: 3druck.com).

Daneben treten immer mehr Kleinunternehmen als 3D-Druckereien in Online-Netzwerken in Erscheinung. Der Plattformbetreiber 3D-Hubs rühmt sich damit, dass bereits 20.000 3D-Drucker-Betreiber in 150 Ländern zu seiner Community zählen. Das Wachstum ist enorm: Immer mehr kleine Fabriken mit Produktionskapazitäten entstehen weltweit in atemberaubendem Tempo. Wie schnell solche Plattformen erfolgreich sein können, zeigen Beispiele wie Uber und Airbnb etc., die die weltweiten Transport- und Hotel-/Übernachtungsmärkte aufmischen.

Für Konzerne wie Airbus werden diese derzeit natürlich aus Qualitäts- und logistischen Gründen vorerst noch keine Rolle spielen. Eine Alternative könnte aber schon bald die Produktion bei großen 3D-Druck-Lohnfertigern sein.

Warum aber überhaupt Lohnfertiger in Anspruch nehmen, könnte sich der Automobil- oder Flugzeughersteller fragen. Treffe ich eine “Make-” statt einer “Buy-Entscheidung”, habe ich den Produktionsprozess selbst unter Kontrolle. 3D-Drucker machen schließlich überall ihre Arbeit, warum also nicht bei mir? Die Antwort auf diese Frage liefern ihm die Kaufleute: Wie andere Maschinen auch müssen 3D-Drucker voll ausgelastet sein, um zu optimalen Kosten zu produzieren. Wenn die Nachfrage nach Flugzeugteilen sinkt, druckt der Lohnfertiger eben Autoteile und lastet seine Kapazität so weiter voll aus. So weit, so gut. Aber könnten Unternehmen wie Airbus es dem Lohnfertiger nicht einfach nachmachen? Die Zukunft kann man sich so vorstellen: Immer dann wenn die Nachfrage nach Flugzeugen sinkt und die eigenen Drucker nicht mehr ausgelastet sind, bieten Hersteller wie Airbus auf einem sich entwickelten weltweiten Produktionskapazitätsmarkt ihre eigenen ungenutzten 3D-Druck-Ressourcen an.

Fazit: Auch in der 3D-Druck-Welt ist die Make-or-Buy-Entscheidung nach der Beantwortung folgender Frage zu treffen: Von wem und wo kann das benötigte Bauteile am besten, schnellsten und am günstigsten hergestellt werden?

Werner Koch, Netzwerkkoordinator  3D-Druck Solingen

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