Projekt HelpCamps: Beim BarCamp zu innovativen Lösungen

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Eine Sitzheizung für den Elektrorollstuhl aus KFZ-Ersatzteilen, ein alternativer Blindenstock mit 3D-Sound, ein umgebauter Spielecontroller fürs Zocken mit Muskelschwäche oder eine Online-Plattform, auf der sich Maker und Menschen mit Beeinträchtigung besser vernetzen können – das sind nur einige der kreativen Ideen, die beim „HelpCamp“ in der Bundesfachschule für Orthopädie-Technik in Dortmund entwickelt worden sind. Das Besondere: Menschen mit Beeinträchtigung, Maker mit 3D-Druck-Ex-pertise, Orthopädie-Techniker, Hilfsmittelunternehmen sowie weitere Interessierte aus ganz Deutschland arbeiteten dabei erstmals zusammen.

Tüfteln für mehr Teilhabe & Selbstbestimmung

Einen Tag lang tauschten sich die mehr als 60 Teilnehmenden bei der Auftaktveranstaltung des Projekts „HelpCamps“ in verschiedenen Themenrunden zu Alltagshilfen aus – diese sollten individuell auf einzelne Nutzer zugeschnitten sein und sich mit neuen Technologien wie dem 3D-Druck kostengünstig und einfach produzieren lassen. Weitere Interessierte schalteten sich per Online-Livestream dazu.

„Ziel der Veranstaltung ist, dass sich nun Entwicklungsteams für die gesammelten Ideen finden und diese im weiteren Projektverlauf umsetzen“, so Projektleiter Niels Lichtenthäler.

Die Themen der Diskussionen konnten nicht unterschiedlicher sein: Von praktischen schwenkbaren Taschenhaltern am Rollstuhl bis zu Unterstützung in der Freizeitgestaltung. Anastasia Gilz vom HelpCamps-Netzwerkpartner Hochschule Rhein-Waal in Kamp-Lintfort beschäftigte sich mit barrierefreiem Spielzeug, beispielsweise speziellen Kartenhaltern für bewegungseingeschränkte Menschen:

„Inklusives Spielzeug kann und muss keine eierlegende Wollmilchsau sein. Das Spielerlebnis sollte im Vordergrund sein und Inklusion kein Selbstzweck“, stellte sie nach der Diskussi-onsrunde fest.

Teilnehmerin und Beraterin für Barrierefreiheit, Viola Steinbeck, fasst die Stimmung auf dem BarCamp zusammen:

„Ich fand die Idee für das BarCamp-Thema grandios. Ich habe den Eindruck, dass damit genau der richtige Nerv getroffen wurde, die Atmosphäre und der Umgang miteinander waren sehr schön. Die Quintessenz ist: selber machen, basteln, organisieren. Machen statt quatschen.“

Nächster Schritt – das HelpCamps-Innovationsforum Beim „HelpCamp“ am 9. Dezember standen vor allem Probleme im Alltagsleben mit Behinderung im Fokus. Am 2. und 3. März 2018 findet das darauffolgende HelpCamps-Innovationsforum statt. Hier werden die einzelnen Entwicklungsgruppen, die sich im Laufe des HelpCamp zusammengefunden haben, ihre bis dahin entwickelten Prototypen, Geschäftsmodelle und Innovationskonzepte bei einer Konferenz einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. Niels Lichtenthäler von der Beratungsfirma matrix, die das Projekt umsetzt freut sich schon auf die nächsten drei Monate bis zum Innovations-forum:

„Jetzt geht die Arbeit erst richtig los! Wir setzen nun alles daran, die Entwicklungsgruppen und kreativen Köpfe bei der Realisation ihrer jeweiligen Vorhaben mit Know-how und Netzwerkarbeit individuell zu unterstützen und werden die Teams auf ihrem Weg medial begleiten.“

Am Ende des Projektes soll ein nachhaltiges Netzwerk mit alltagserprobten Entwicklungsteams stehen. Projekthintergrund Das Projekt „HelpCamps“ verbindet Menschen mit Beeinträchtigung, sogenannte Maker, kleine und mittlere Unternehmen der Hilfsmittelwirtschaft, Wissenschaftler und weitere Interessierte miteinander, um auf Augenhöhe Lösungen für schnell produzierbare, günstige und vor allem individuelle technische Hilfsmittel sowie Alltagshilfen zu entwickeln. „HelpCamps“ wird gefördert durch die Initiative „Innovationsforen Mittelstand“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF). Im gesamten Projektverlauf setzt „HelpCamps“ auf Beteiligung! Die Beratungsfirma matrix GmbH & Co. KG mit Sitz in Düsseldorf organisiert und begleitet das Vorhaben methodisch – die inhaltliche Gestaltung steht den Teilnehmenden offen.