Home 3D-Drucker Review: Dremel DigiLab 3D45 – ein intuitives Arbeitstier

Review: Dremel DigiLab 3D45 – ein intuitives Arbeitstier

Wir haben den Dremel DigiLab 3D45 erhalten und den Drucker hunderte Stunden getestet. Der 3D-Drucker überrascht dabei durch seine wohldurchdachte Ausstattung, intuitive Anwendbarkeit und überzeugender Verlässlichkeit.

Der CE und UL zertifiziere FDM (Fused Deposition Modeling) Drucker ist das jüngste Flagship des Markenherstellers Dremel und ordnet sich logisch in das DigiLab Portfolio über seinen Vorgängern 3D20 und 3D40 ein. Der Hersteller zielt mit diesem Komplettsystem überwiegend auf den Bildungssektor und den Prototypenbau ab.

Nachdem wir von Dremel einen originalverpackten Dremel DigiLab 3D45 erhalten haben, hatten wir die Möglichkeit das Gerät in den letzten 2 Wochen ausgiebig zu testen. Dabei haben wir das Gerät selbst sowie alle zur Verfügung stehenden Dremel Materialen kritisch aus Kunden- und Maker- Perspektive getestet.

Unpacking und in Betriebnahme

Das Gerät kommt sicher verpackt in einen handlichen Karton und lässt sich zu zweit gut auspacken. Die Aufstellung, das Abziehen der Schutzfolien und der Anschluss an den Strom ist schnell erledigt. Etwa 30 Sekunden nach dem Einschalten empfängt einem ein freundliches Willkommensmenü am mittig angebrachten 4,5 Zoll Touchscreen, mithilfe dessen man die Sprache und die WLAN Verbindung problemlos einstellen kann.

Am Gerätespeicher sowie auf dem mitgelieferten USB Stick finden wir erste Druckmodelle, am USB Stick auch eine Kopie der Software. Wir setzen eine Rolle Dremel Nylon ein, die vom Gerät dank des RFID Chips sofort erkannt wird, bestreichen die herausnehmbare Glasplatte mit dem mitgelieferten Klebestift und starten den Druck eines vorinstallierten Modells. Das Gerät nivelliert sich ohne unser Zutun, heizt vor und nur etwa 5 Minuten nach dem auspacken arbeitet der Drucker bereits fleißig und leise vor sich hin. Ein selten erlebtes und schnelles Erfolgserlebnis, dass sicher viele Kunden begeistern wird.

Low-Quality (0,3mm) Druck von Dremel PLA in weiß
Low-Quality (0,3mm) Druck von Dremel PLA in weiß

Software

Auch das Laden und Installieren der Dremel DigiLab 3D Slicer Software, die auf der Open-Source Software Cura basiert, verläuft problemlos auf unserem MacBook. Das Verbinden über WLAN schaffen wir hingegen nur über die Eingabe der Geräte IP Adresse, die in einem Infofenster am Dremel DigiLab 3D45 gefunden werden kann. Nun können wir unseren Druck dank der im Gehäuse verbauten 720p Kamera auch am Notebook mitverfolgen. Nach etwa 3 Stunden entnehmen wir unser fehlerfreies Nylon Modell und freuen uns über das problemlose Ergebnis. Wir arbeiten das Druckermenü am Gerät systematisch durch und befinden es für äußerst intuitiv. Eine neue Firmware Version lässt sich problemlos und unkompliziert direkt via WLAN laden und ohne PC Anschluss am Gerät installieren.

Dremel Slicer – Prepare Fenster
Dremel Slicer – Prepare Fenster

Test aus der Anwenderperspektive

Wir machen uns nun an den Druck verschiedener Objekte und verwenden erstmals nur die vom System empfohlenen Einstellungen. Schritt für Schritt testen wir alle angebotenen unterschiedlichen Auflösungen und die zur Verfügung stehenden originalen PLA, Eco ABS, Nylon und PETG Filamenten von Dremel in den Farben weiß und schwarz (insgesamt sind 11 verschiedene Farben erhältlich). In den drauffolgenden 14 Tagen läuft der Drucker beinahe rund um die Uhr und wirft ein Objekt nach dem anderen heraus. Wir sind erstaunt über die hochqualitativen und fehlerfreien Ergebnisse und fast ein bisschen gelangweilt über die kaum auftretenden Komplikationen, die wir von anderen Geräten kennen. Nach etwa 250 Stunden Druckzeit ziehen wir folgendes erste Resümee:

Hervorragendes, frustrationsfreier und intuitiver Start in den 3D-Druck (im Vergleich zu anderen 3D-Drucker). Äußerst kompletter und durchdachter Lieferumfang vom Klebestift, Spachtel, zwei Filament Rollen und Extruder Dorn. Überzeugende Ausstattung die man teils nur von Geräten mit deutlich höheren Preispunkten kennt.

Darunter ein geschlossener Bauraum, RFID Filament Erkennung (erkennt nur Dremel Filamente), beheizbare und entnehmbare Druckplattform, großer Bauraum, 720P Kamera, LED Beleuchtung, Lüfter mit Kohlefilter, semi-automatische Nivellierung, gut zugängliches Gehäuse mit transparenter Top und Fronttüre und magnetischem Schließsensor. Dem gegenüber konnten wir nur wenige leicht verkraftbare und korrigierbare Komplikationen protokollieren. So läuft beispielsweise die auf Cura basierende Software noch nicht zu 100% stabil – zumindest nicht auf unserem Mac System.

Dem Arbeiten wird dabei zwar kein Abbruch getan, jedoch stürzt die Software aufgrund einer Speicherüberlastung ab, wenn man den Videostream über mehrere Stunden mitlaufen lässt. Auch die notwendige Kopplung des Druckers über die zugewiesene Geräte IP nervt etwas, weil man diese nach jedem Neustart des Druckers vornehmen muss. Abhilfe schafft hier aktuell nur das umstellen der dynamischen IP Adressen Zuweisung im WLAN Router auf eine statische. Außerdem verfing sich einmalig eine von uns vermutlich schlampig eingesetzte Filament Rolle neben der Spur und unterbrach so die Zufuhr zum Extruder.

Überraschender war hingegen die verhältnismäßig starke Bruchbarkeit des original Dremel PLA Filament in weiß. Im Zuge eines Auto-Nivellierungs-prozesses der Druckplattform brach das Filament zwischen Rolle und Extruder einmalig kurzerhand ab. Der Fehler liegt hier bei der Reihengfolge der Testpunkte. Nachdem der Extruder zuerst nach rechts und dann zügig zurück Richtung Spule (links) fährt bildet sich eine Schleife im Filament die bei Pech brechen kann. Wer jedoch mit dem 3D-Druck vertraut ist, weiß das diese Komplikationen eher im Bereich der Lappalien angesiedelt sind und vermutliche durch eine der kommenden Software/Firmware Upgrades behoben werden. Die Brüchigkeit des Filaments werten wir als Ausnahme da es bei uns nur einmal und nur bei der Farbe weiß zu Komplikationen gekommen ist. Die Druckergebnisse waren durchwegs sehr gut. Teils konnten wir bis auf die Druckzeit nur wenig Unterschiede zwischen High-Quality (0,1mm) und Ultra-Quality (0,05mm) feststellen. Die Berechnung von Infill und Support funktionierte druchwegs fehlerfrei.

Dremel Slicer – Build Fenster mit 720p Videoüberwachung
Dremel Slicer – Build Fenster mit 720p Videoüberwachung

Test aus der Makerperspektive

Als nächstes haben wir das Gerät aus der Perspektive eines Makers in Augenschein genommen. Die Frage, die dabei vielen unter den Nägeln brennt: kann auch mit nicht original Dremel Filamenten gedruckt werden. Die Antwort lautet dabei eindeutig ja jedoch mit kleineren Abstrichen. Da die Aufhängung der originalen 0,5kg Dremel-Rollen im geschlossenen Bauraum keinen Standarddurchmesser haben muss man entweder einen Adapter zur Verengung des Durchmessers der alternativen Filament Spulen drucken oder kurzerhand die Abdeckung des Filament Halters offenlassen und das Filament von außen zuführen. Die zweite Option führt dann natürlich zu einem stärkeren Geruchsanstieg, da der Bauraum nicht mehr komplett geschlossen ist.

Sowohl das Gerät als auch die Software akzeptieren jedoch anderes Filament und lässt einem bequem von den Standardeinstellungen abweichen. Dabei wird jedoch davor gewarnt, dass für Beschädigungen am Gerät nicht gehaftet wird. Abhängig vom Filament muss man die perfekte Einstellung erst mittels trial-and-error Versuchen testen. Danach läuft das Gerät jedoch ähnlich problemlos wie mit Originalfilamenten. Ein zweiter Aspekt ist der verbaute Extruder der zwar getauscht aber nur schlecht manipuliert werden kann. Wir versuchen es erst gar nicht um das Gerät nicht zu beschädigen. Das Gerät kommt mit einer Kupferdüse, die für Metall gefüllte Filamente nicht empfohlen wird (Abrieb). Ein Umbau ist für versierte Anwender sicher möglich, jedoch von uns nicht empfohlen.

Intuitives Farb Touchscreen, dahinter Aktivkohlefilter in Lüftung
Intuitives Farb Touchscreen, dahinter Aktivkohlefilter in Lüftung

Fazit zum Dremel DigiLab 3D45

Betrachtet man den Preispunkt von etwa 1350€ lässt das Gerät zwei unterschiedliche Ergebnisse zu:

  1. Für versierte Anwender aus der Open-Source und Maker Szene, die auf intuitive Anwendungen und Gadgets verzichten können, sowie Zeit und Geduld mitbringen, gibt es sicherlich günstigere und offenere Geräte.
  2. Für die wesentlich breitere Zielgruppe der 3D-Druck Einsteiger, sowie für Kunden, die regelmäßig und problemlos Standardanwendungen Drucken, konnten wir bis jetzt kaum ein besseres Gerät testen.

Damit erfüllt das Gerät genau das was Dremel der angestrebten Zielgruppe verspricht. Gute Qualität zu einem fairen Preis. Das Gerät eignet sich besonders für jene Kunden, die wenig am Gerät herum schrauben, verlässlich Prototypen erstellen und 3D-Modelle einfach ausdrucken möchten. Damit eignet sich das Gerät auch hervorragend für Bildungsanwendungen im Bereich Design und 3D-Modellierung. Die umfangreiche Ausstattung und die intuitive Anwendung positioniert das Gerät perfekt in der Nische zwischen der 300-600€ Maker und 3000-4000€ Prosumer Geräte. Dazu sieht es optisch äußerst gut aus, ist leise und sehr geruchsabschirmend.

Technische Spezifikationen Dremel DigiLab 3D45

DrucktechnologieFDM (Fused Deposition Modeling), 1 Extruder
Schichtauflösung0,1 mm/ 100 Mikron – 0,05 mm/ 50 Mikron
Düsendurchmesser0,4 mm
Unterstützte (originale) DruckmaterialienPLA, Eco ABS, Nylon, PETG mit einem Durchmesser von 1.75mm
Maximale Druckgröße254 x 152 x 170 mm
Betriebsoberfläche4,5 Zoll Vollfarb-LCD Touchscreen
NivellierungHalb-automatisch
AusgabeformateG3DREM, GCODE
Druckbetttemperaturmax. 100ºC
Extruder Temperaturmax. 280ºC
Extruder Temperaturmax. 280ºC
Extruder Temperaturmax. 280ºC
Drucker Abmessungen515 x 394 x 406 mm
Nettogewicht19,4 kg
Preisca. 1319 Euro

Software

EingabeformateSTL, OBJ
BetriebssystemeWindows/ Mac
Unterstützte Slicer SoftwareDremel DigiLab 3D Slicer, 3DprinterOS, Simplify3D
AnschlüsseUSB-Unterstützung, Ethernet, WLAN

Lieferumfang

1x Eco ABS Filament Spule schwarz
1x PETG Filament Spule transparent
2x Klebestift für die Druckplatte
1x USB-Kabel
1x USB-Stick
1x Dorn zur Reinigung des Druckkopfes
1x Spachtel
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