3D-gedrucktes Dorf am Mond soll laut ESA bis 2030 Realität werden

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Auf dem European Planetary Science Congress, der vergangene Woche in Riga stattgefunden hat, präsentierten Experten der Europäische Raumfahrtagentur ESA ihre Zukunftsszenarien der Mondbesiedlung, deren Pläne bereits vergangenes Jahr diskutiert wurden. Bis 2030 könnte die erste 3D-gedruckte Siedlung auf dem Erdtrabanten entstehen, die bis 2050 zu einem 1000-Einwohner-Dorf heranwächst.

Das Mond-Dorf könnte zukünftig nicht nur die internationale Raumstation ISS ersetzen, wie Generaldirektor der ESA Jan Wörner meint, sondern auch als Zwischenstation für zukünftige Marsmissionen dienen. Der Betrieb der ISS ist zumindest noch bis 2024 gesichert und wäre technisch noch bis 2028 möglich.

Laut Bernard Foing von der ESA könnte bis 2030, also rund 60 Jahre nach der ersten Mondlandung, eine erste Siedlung mit sechs bis zehn Bewohnern entstehen, darunter Forscher und Ingenieure. Bis 2040 würde diese auf 100 und bis zum Jahr 2050 auf 1000 Einwohner heranwachsen, die ihre Familie mitbringen. In einigen Jahrzehnten werden dann vielleicht die ersten Kinder am Mond geboren, meint Foing.

Während sich die NASA derzeit intensiv mit Möglichkeiten zur Besiedelung des Mars und damit verbundenen Technologien sowie Materialien zum 3D-Druck beschäftigt, hat die ESA ähnlich Forschungsprojekte initiiert, darunter der 3D-Druck von Ziegeln aus Mondregolith mit der Hilfe von Sonnenlicht. Ziel all dieser Projekte und Initiativen, wie auch der 3D Printed Habitat Challenge der NASA, ist es geeignete Systeme zum 3D-Druck von Behausungen im Weltall zu entwickeln, welche vor Ort vorhandenen Materialien als Baustoff verarbeiten können.

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Eine mögliche Quellen für 3D-Druckmaterialien wäre Basalt. Daraus ließen sich sogar 3D-gedruckte Satelliten herstellen. Der nötige Raketenbrennstoff könnte aus dem Wasser der gefrorenen Pole durch die Spaltung von Wasserstoff und Sauerstoff gewonnen werden. Um in die Erdumlaufbahn zu gelangen wäre ein Start vom Mond 40 mal günstiger als von der Erde aufgrund der hier vorherrschenden Schwerkraft, so Foing.

Auch wenn das kommerzielle und wissenschaftliche Interesse an dem Projekt groß ist, widmen Politiker diesem derzeit wenig Aufmerksamkeit.

„Es ist sehr frustrierend,“ sagt Vidvuds Beldavs, Physiker an der Universität von Lettland. „Wir konnten die führenden Politiker noch nicht überzeugen.“

Dazu müsste man beweisen, dass industrielle Aktivität am Mond möglich ist und sich neue Märkte bilden könnten. Beldvas leitet das International Lunar Decade Projekt, das sich für die gemeinsame Erforschung des Mondes einsetzt.

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