3D-Metalldruck im Dienste der Veterinärmedizin

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Lichtenfels (Deutschland), Mai 2016: Manche Geschichten aus der Welt des 3D-Druck klingen so unglaublich, dass man seinen Ohren nicht traut. Für einen Ara, eine Gattung der Familie der Papageien, mit dem Namen Gigi, wurde nun erstmals eine Schnabelprothese aus Titan im 3D-Metalldruck in Brasilien hergestellt und implantiert. Diese ungewöhnliche Prothese rettete Gigi schlicht das Leben, denn ein Ara ohne Schnabel kann keine feste Nahrung aufnehmen.

Der illegale Handel mit Wildvögeln ist ein trauriges Kapitel der Profitgier. Nicht nur in Brasilien. Die Opfer sind wunderschöne Kreaturen, denen genau diese Schönheit zum Verhängnis werden kann. Bei Gigi entstanden in der Gefangenschaft bei illegalen Wildvogelhändlern durch mangelhafte Haltungsbedingungen schwere Missbildungen am Schnabel. B1_newGigi konnte zwar letztendlich von der brasilianischen Polizei befreit werden, der wunderschöne, hellblau-gelb gefiederte Ara konnte jedoch ohne Schnabel nicht mehr gefüttert werden. Ein Team aus Tierärzten und den 3D-Druck-Experten aus dem Renato Archer Technology and Information Center (CTI) in Campinas, Brasilien, entwickelte eine Implantatlösung für den Vogel. Die erfolgreiche Operation von Gigi fand am 18. Februar 2016 im Zentrum für Tierpflege in Ipiranga bei Sao Paulo statt.

Interdisziplinäre Teamleistung
In der Zusammenarbeit dreier Spezialisten entstand der künstliche Schnabel. Das Team, mit dem Namen „Avengers“, besteht aus dem Tierarzt Roberto Fecchio, dem 3D-Designer und Spezialisten für Gesichtsrekonstruktion Cicero Moraes und dem Veterinärzahnarzt Paul Miamoto. Die „Avengers“ gelten als Vorreiter bei der Verwendung von 3D-Drucktechnologie, um das Leben wilder Tiere zu retten. Zuvor hatten sie bereits eine neue Schale für Freddy, die Schildkröte, sowie einen Schnabel für einen verletzten Tukan gedruckt, allerdings aus Kunststoff. Für Gigi war Kunststoff nicht geeignet. Aras benutzen ihre Schnäbel, um Samen zu öffnen und andere harte Schalen zu brechen. Das heißt, Araschnäbel müssen extrem langlebig und stark sein. Das Team entschied sich für das extrem harte Titan. Titan bot sich als perfekte Lösung an: Es ist biokompatibel, leicht und korrosionsbeständig. Viele menschliche Prothesen werden heute aus Titan hergestellt, warum also nicht versuchen, das Material für einen Wildvogel einzusetzen?

Erst LaserCUSING, dann erfolgreiche Operation
Zunächst machte Paul Miamoto eine Reihe von Fotografien des missgebildeten Schnabels. Daraus erstellte Cicero Moraes ein digitales 3D-Modell für die passgenaue Prothese. Dann wurde der Schnabel am Renato Archer Technology and Information Center (CTI) lasergeschmolzen. Auf einer Mlab cusing R von Concept Laser, mit welcher sich insbesondere filigrane Teile mit hoher Oberflächengüte herstellen lassen, entstand Gigis künstlicher Schnabel. Das kleinste Anlagenmodell aus Lichtenfels erwies sich als richtige Wahl, um das Leben Gigis zu retten. Operiert wurde anschließend im Zentrum für Tierpflege in Sao Paulo. Beteiligt waren die Tierärzte Roberto Fecchio, Sergio Camargo, Rodrigo Rabello und Methus Rabello. Die 3D-Druck-Prothese wurde mit Knochenzement und orthopädischen Schrauben befestigt. Bereits 48 Stunden nach der Operation konnte Gigi den Schnabel ausprobieren. Sie erholte sich wunderbar im Forschungszentrum für Wildtiere (CEPTAS) an der Unimonte University. Derzeit wartet Gigi auf die Aufnahme in einen Zoo, wo Besucher dann staunen können, dass Gigi einen weltweit einzigartigen Schnabel hat. Dazu wurde der Schnabel mit bunten Schrauben befestigt, in einer Optik, die an Strass-Steine erinnert. Andere Vögel dürften ernsthaft neidisch werden.

Fazit
Ende gut, alles gut. Beispiele wie Gigi zeigen, dass der 3D-Druck nicht nur in der Medizintechnik beim Menschen für mehr Lebensqualität sorgen kann. Die uneingeschränkte Geometriefreiheit des Verfahrens ermöglicht die Herstellung passgenauer Implantate zur optimalen Versorgung im jeweiligen Anwendungsfall. Letztendlich konnte so auch einem wunderschönen Wildvogel geholfen werden, Verletzungen oder Deformationen auszugleichen. Es gibt also auch gute Nachrichten in unserer oft so unwägbaren und manchmal verstörenden Welt.

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