Home 3D-Drucker Anycubic Vyper Review: Der Einzug der Auto-Leveling-Funktion im Einsteigersegment

Anycubic Vyper Review: Der Einzug der Auto-Leveling-Funktion im Einsteigersegment

Anycubic hat den neuen brandneuen Vyper 3D-Drucker vorgestellt, der jetzt ab Juli 2021 ausgeliefert werden soll. Wir durften das Gerät schon vorab testen und können dem Drucker ein gutes Zeugnis ausstellen.

Bei einem Preispunkt um die 300 € wird schnell klar, dass sich Anycubic mit dem neuen Vyper einmal mehr in die Schlacht der heiß umkämpften low-cost Einstiegs FDM Drucker einbringt. Inwieweit der Vyper nur ein weiteres von vielen vergleichbaren Geräten ist oder es tatsächlich schafft, Oberwasser zu gewinnen, wollen wir herausfinden.

Lieferung und Aufbau

Zur Paketlieferung gibt es mittlerweile wenig zu sagen. Eine stabile Verpackung sowie eine zuverlässige Lieferung sind mittlerweile auch bei fast allen low-cost Geräten Industriestandard. Anycubic enttäuscht hier jedenfalls auch mit den Vyper keinesfalls und liefert diesen gut und sicher verpackt aus. Der Lieferumfang besteht aus dem mittlerweile üblichen Zubehör. Neben dem Drucker findet man das Handbuch, ein Stromkabel, ein USB-Kabel, wenige Meter Filament, eine Plastikspachtel, eine SD-Speicherkarte mit USB-Adapter, 2 Ersatz-Nozzel, Kabelbinder, eine Zange, eine Extrudernadel und passende Inbus-Schlüssel. Einsteiger Geräte unterscheiden sich aber üblicherweise beim Aufwand des Zusammenbaus. Hier variieren die Geräte unterschiedlicher Hersteller in der Regel mit zeitlichen Aufwänden zwischen 10 Minuten und 2 Stunden. Abhängig ist dieser Aufwand meistens von der Anzahl an Einzelteilen und die mitgelieferte Aufbauanleitung. Der Vyper benötigt rund 10 Minuten Aufbauzeit und spielt damit jedenfalls in der schnellsten und für den ungeduldigen Kunden angenehmsten Liga. Auch unerfahrene Kunden sollten dank der geringen Komplexität keine Probleme beim Aufbau haben.

Anycubic Vyper Lieferumfang
Anycubic Vyper Lieferumfang

Erster Eindruck

Aufgebaut erscheint der Vyper zunächst in einem typischen und bewährten Design. Der kompakte Drucker verfügt über eine gängige Bauraumgröße von 245 x 245 x 260 mm (L/B/H). Ein stabiles Schienensystem verbindet das Druckbett, welches sich in der y-Achse bewegt mit dem in der x- und y-Achse beweglichen Extruder. Der Filamenthalter, bei diesem Gerät links angebracht und der verbaute Bowden-Extruder mit seinen bekannten Vor- und Nachteilen ist nicht außergewöhnlich.

Das Design – überwiegend in Schwarz mit dunkelblaugrauen Akzenten gehalten, ist natürlich Geschmackssache, gefällt uns aber. Im Vergleich zu anderen Geräten in diesem Preissegment fällt sofort das große Smartphone förmige Farb-Touchscreen und die magnetische haftende PEI-Druckauflage mit rauer Oberfläche auf, die eine einfachere Handhabung bei besserer Haftung verspricht.

Anycubic Vyper – guter erster Eindruck
Anycubic Vyper – guter erster Eindruck
Anycubic Vyper – magnetische PEI-Druckauflage
Anycubic Vyper – magnetische PEI-Druckauflage
Anycubic Vyper – Farb-Touchscreen
Anycubic Vyper – Farb-Touchscreen

Installation

Die mitgelieferte Speicherkarte verfügt über eine digitale Anleitung, einem Cura-Profil und Treiber für MAC und PC. Folgt man der detaillierten Anleitung (aktuell nur auf Englisch), sollten auch unerfahrene Anwender das Gerät schnell einrichten können.

Aufgrund der Neuheit des Gerätes findet man allerdings den Inhalt der Speicherkarte noch nicht zum Download auf der Anycubic Webseite. Wir sind jedoch zuversichtlich, dass dies (wie bei den anderen Geräten von Anycubic) zeitgerecht mit der Auslieferung veröffentlicht wird. Der Umstand ist deshalb wichtig, da wir in der Vergangenheit bereits mehrfach Probleme (bei anderen Herstellern) mit den mitgelieferten USB-Sticks/Speicherkarten hatten und es für die Kunden ein frustrierendes Erlebnis sein kann, wenn man aufgrund einer defekten Speicherkarte das Gerät nicht in Betrieb nehmen kann. In diesem Fall funktioniert aber alles hervorragend.

Anycubic Vyper – SD und USB-Anschlüsse
Anycubic Vyper – SD und USB-Anschlüsse

Interessante Funktionen

Die technischen Spezifikationen des Gerätes, zeigen neben dem bereits genannten dann einige interessante Funktionen, die man bei vergleichbaren Geräten oft vergeblich sucht. Da ist zunächst einmal der Filamentsensor, der das Ende eine Spule erkennt und dank der Druckfortsetzungsfunktion des Vypers auch die Fertigstellung bei aufgebrauchtem Filament oder anderen Unterbrechungen ermöglicht. Diese Funktion sowie eine kleine LED-Beleuchtung ist aber mittlerweile auch bei manchen anderen Geräten in diesem Preissegment zu finden.

Anycubic Vyper – Filament Sensor
Anycubic Vyper – Filament Sensor

Interessanter ist deshalb die vollautomatische 16-Punkte Leveling-Funktion, die wir bisher nur von höherpreisigen Geräten kennen. Für 3D-Druck Anfänger: Die Druckplatte muss vor der Inbetriebnahme und immer wieder zwischendurch flach kalibriert werden. Das erfolgt bei günstigen Geräten üblicherweise mit 4 Stellschrauben und einem Blatt Papier, mithilfe dessen man nach mehreren Durchläufen ein gleichmäßig flaches Druckbett sicherstellen kann.

Das ist im Grunde nicht kompliziert, aber manchmal mühsam. Etwas bessere Geräte bieten oft eine halb-automatische Kalibrierung an, die in der Praxis lediglich das Blatt Papier ersetzt und der Drucker dem Nutzer sagt, an welcher Schraube man händisch drehen muss. Vollautomatische Kalibrierung hingegen erfordert keinen Eingriff des Nutzers und ist daher deutlich benutzerfreundlicher.

Darüber hinaus verfügt das Gerät über einen Riemenspanner, der es ermöglicht, bei Bedarf die Antriebsriemen mit einem Schraubenschlüssel nachzuziehen. Das ist sehr praktisch, auch wenn der Kunde das üblicherweise erst nach längerer Betriebszeit vornehmen muss und daher erst später schätzen können wird. Außerdem findet sich eine kleine praktische Lade mit Werkzeug im Gerät. Ein einfaches Gimmick, das aber durchaus praktisch ist.

Anycubic Vyper – Riemenspanner
Anycubic Vyper – Riemenspanner
Anycubic Vyper – praktische Werkzeuglade
Anycubic Vyper – praktische Werkzeuglade

Technische Spezifikationen

Drucktechnologie FDM (Fused Deposition Modeling)
Maschinengröße 508 x 457 x 516 mm (L/B/H)
Bauraum 245 x 245 x 260 mm (L/B/H)
Maximale Druckauflösung 0,1mm
Druckgeschwindigkeit bis zu 180mm/s
Nozzel E3D Volcano Hotend, 0,4-mm
Druckbett Beheizbar bis zu 110 °C
Extruder Bowden-Doppelzahn-Extruder mit zwei Lüfter und bis zu 260 °C
Sonstige Funktionen Filamentsensor, LED-Beleuchtung, Fortsetzungsfunktion bei Unterbrechungen, vollautomatische-Leveling-Funktion, magnetische Druckauflage, Riemenspanner und Schublade mit Werkzeug
Unterstützte Materialien (lt. Hersteller) PLA, TPU, ABS, PETG, Holz-Filament
Display 4,3-Zoll-Touchscreen
Konnektivität Micro-SD (mit USB-Adapter) und USB inkl. TMC2209 Treiber
Mainboard Cortex M3 32-Bit
Empfohlene Software Cura
Unterstützte Formate .STL, .OBJ, .AMF
Stromversorgung 100 V / 240 V AC, 50/60 Hz
Gewicht ca. 10 kg

Unser Test

Wir legen los und Testen das Gerät mit verschiedenen Materialien. Die Materialzuführung erfolgt absolut problemlos. Alles ist von Werk mittig ausgerichtet und das Einfädeln gelingt im Vergleich zu anderen Geräten supereinfach.

Anycubic Vyper – Gute Materialzuführung
Anycubic Vyper – Gute Materialzuführung

Die Menüführung ist ebenfalls äußerst intuitiv und lässt auch einen Eingriff während des Drucks (z. B. Temperaturänderungen) zu. Das schöne große Display reagiert hervorragend und schnell auf Touch-Eingaben.

Anycubic Vyper – Intuitive Steuerung
Anycubic Vyper – Intuitive Steuerung

Alles wirkt beginnend mit dem verstärkten Kabel bis zum verwendeten Kunststoff sehr wertig. Lediglich eine kleine Klebeverbindung am Oberteil, das die Kabel mit dem Extruder verbindet, könnte von Standardanwendern als kosmetische Schwäche bezeichnet werden. Maker werden darin darüber hinaus auch eine Schwierigkeit sehen, Modifizierungen vorzunehmen.

Anycubic Vyper – Verklebte Verbindung
Anycubic Vyper – Verklebte Verbindung
Anycubic Vyper – Auch die Kunststoffteile wirken wertig
Anycubic Vyper – Auch die Kunststoffteile wirken wertig

Der Druck und die Stellmotoren verursachen dabei wie vom Hersteller angekündigt, tatsächlich kaum ein Geräusch. Dafür sind die Lüfter vor allem jener im Netzteil verhältnismäßig laut und übertreffen die Lautstärke einiger anderer Geräte. Das finden wir weniger gut.

Der Druck mit den verschiedenen Materialien inklusive TPU, funktioniert out-of-the-box ganz gut. Durch einige Feintuning Maßnahmen lässt sich das aber deutlich verbessern. Bei unserer Geräte/Materialien Kombination bedeutete dies eine Anpassung bei der Temperatur und bei der Stärke der Stützstruktur im Cura Profil.

Egal ob ABS oder PLA, dieser Drucker arbeitet in unseren Tests besser wenn mit etwa 10 Grad weniger als voreingestellt gedruckt wird. Auch die automatisch hinzugefügte Stützstrucktur war bei ABS und PLA bei höchster Auflösung (0,1 mm) in unseren Tests zu fest mit dem Objekt verbunden und ließ sich nur schwer entfernen. Eine geringere Dichte der Stützstruktur oder eine gröbere Auflösung behoben den Umstand aber. Derartige materialspezifischen Feintuning Maßnahmen sind aber meist vom Filament abhängig und bei der Inbetriebnahme eines neuen Gerätes nicht unüblich. Diese Erfahrungen werden daher von uns als neutral bewertet. Der Bowden-Extruder zeigte bei unserem Test kein Problem selbst das flexible TPU einzuziehen, was uns positiv überraschte. Lediglich das Fadenziehen bekommen wir bei TPU wie bei den meisten anderen Geräten (selbst mit direkt Extruder) auch hier nicht ganz unter Kontrolle.

Der Druck mit den anderen Filamenten funktioniert aber sehr zuverlässig und gut. Egal ob bei 0,1 mm 0,2 mm oder 0,3 mm sehen wir jedoch wenig Unterschied in der Druckqualität und Leistung im Vergleich zu anderen ähnlichen Geräten mit guter Einstellung. Lediglich über den Nutzen der magnetisch haftenden PEI-Druckauflage mit rauer Oberfläche sind wir etwas unsicher. Prinzipiell ist jede Druckauflage (im Vergleich zu fix montiertem Glas- oder Alufläche) prinzipiell ein Vorteil, und eine mitgelieferte Auflage jeder Art somit eine tolle Sache.

Abnehmbare und biegbare Auflagen lassen anhaftende Objekte einfach entfernen, sich bei Abnutzung austauschen und schonen das Alu-Druckbett. Auch den beim Vyper verwendeten Magnetismus finden wir sehr praktisch, weil es lästige Fixierklammern erspart. Allerdings machen wir während unseres Tests unterschiedlich Erfahrungen mit der Objekthaftung. Während die Haftung von ABS hervorragend war und sich dank der biegsamen Platte auch gut lösen ließ, haftete TPU fast schon zu stark, sodass wir Probleme beim Ablösen hatten. Bei PLA hingegen war die Haftung ohne „build plate adhesion“ teils zu gering und löste sich bei zwei Druckaufträgen von der Plattform während des Druckvorganges ab. Hier sollte stets wie vom Hersteller empfohlen mittels IPA Reiniger entfettet werden. Trotzdem finden wir die PLA Haftung mit einer PEI-Dauerdruckfolie oder einer Glasplatte mit Haftspray etwas besser. Die raue Oberfläche der Matte hinterlässt außerdem einen entsprechend rauen Abdruck auf der untersten Schicht, was vielleicht nicht jedem gefällt. Diese Probleme lassen sich aber allesamt einfach lösen. Neben einem vorsichtigen Entfetten kann sich jeder Anwender auch eine andere Auflage zulegen. Zu gut haftende Objekte lassen sich beispielsweise auch durch Kühlung leicht lösen.

Anycubic Vyper – Raue erste Schicht
Anycubic Vyper – Raue erste Schicht

Fazit

Zusammenfassend lässt dich der Anycubic Vyper somit als äußerst taugliches Einstiegsgerät in diesem Preissegment empfehlen. Kunden müssen sich bei diesem Preissegment aber immer bewusst sein, dass stets kleinere Anpassungen (z. B. in den Druck-Einstellungen) notwendig sind, um das maximale aus den Geräten zu holen. Beim Vyper bilden vor allem die Auto-Leveling-Funktion sowie der gut funktionierende und große Touchscreen einen Wettbewerbsvorteil. Weniger gut gefällt uns der laute Lüfter und die Klebestelle am Extruder. Diese Nachteile werden aber durch das Gesamtpaket mit den netten Gadgets wie dem Filamentsensor, die Eignung für TPU, der schnelle Prozessor und die kleine Lade jedenfalls wieder gut gemacht.

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