3D-Druck-Kunst in der Kirche

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Dass im Weltraum auf der ISS 3D-gedruckt wird, war schon eine Überraschung. Dass aber ein 3D-Drucker in der Kirche seinen Dienst tut, ist zumindest genauso ungewöhnlich. Vorne auf dem Altar der Evangelischen Kirche in Haan arbeitet das Gerät mehrere Stunden daran, Schicht-für-Schicht die Kopie einer ramponierten Christusfigur aufzubauen. Direkt daneben zeigt ein Zeitrafferfilm auf einem Monitor den ganzen Druckvorgang in wenigen Sekunden.

Solus Christus 3D.0 ist ein Kunstprojekt von Güdny und Wolfram Schneider-Mombaur, das bis 30. Juni 2017 in der Evangelischen Kirche in Haan zu sehen ist. Dabei werden mit einem 3D-Drucker Kopien einer beschädigten Christusfigur erstellt. Das Künstlerpaar zieht damit Parallelen zu Luthers Wirken und der Reformation.

Die Umsetzung des Projekts wurden vom 3D-Netzwerk und einigen seiner Mitgliedsfirmen unterstützt: Der 3D- Messtechnikspezialist, die Firma Klostermann GmbH aus Remscheid, scannte die Figur und erstellte daraus ein digitales 3D-Modell, das von der EXCIT3D GmbH aus Solingen nach bearbeitet wurde. Der Filamenthersteller Extrudr aus Österreich lieferte das 3D-Druck-Material. Dabei handelt es sich um einen ökologischen, biologisch abbaubaren Kunststoff. Den 3D-Druck der Modelle für die Kirche und für eine begrenzte Edition übernahmen das 3D-Netzwerk selbst, die EXCIT3D GmbH und der Maschinenbauer AUMAT GmbH.

Das 3D-Kunstprojekt von Güdny und Wolfram Schneider-Mombaur ist ein Beitrag zur Veranstaltungsreihe „Augenmerk – Kirche neu sehen“ des Kirchenkreises Düsseldorf Mettmann. Ziel der Aktionen ist, die Kirchen im Jahr des 500. Reformationsjubiläum umzugestalten und dabei besonders den Blick von außen auf Kirche zuzulassen. An der Form der beschädigten und verrosteten Christusfigur, die das Künstlerpaar schon vor Jahren auf einem Flohmarkt in Belgien entdeckt hatte, interessierte die Künstler das Fragmentierte und Unvollkommene.

Parallelen zum Buchdruck

„Im 3D-Druck sehen wir eine Parallele zum Buchdruck. Beides ist zu seiner Zeit eine neue Technik mit neuen Verbreitungsmöglichkeiten, die neue Zielgruppen erschließen,“ erklärt Wolfram Schneider-Mombaur.
Eine Christusfigur zu vervielfältigen, passe gut zum Kern der Reformation, findet auch Pfarrer Hans-Peter Gitzler von der Kirchengemeinde Haan: „Das Schöne an dem Projekt ist, dass die beiden nicht Luther als Person in den Blick genommen haben, sondern das gemacht haben, was Luther auch getan hat: nämlich Christus – den leidenden Christus – in den Mittelpunkt zu stellen.“ Und für die Verbreitung den 3D-Druck so zu nutzen, wie Luther den Buchdruck genutzt habe, sei eine geniale Idee, sagt Gitzler gegenüber der Online-Redaktion der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Die Christusfiguren als Limited Edition

Mit dem 3D-Drucker des 3D-Netzwerks soll während des Ausstellungszeitraums eine auf 100 limitierte Auflage von Christusfiguren aus biologisch abbaubarem Kunststoff gedruckt werden. Der Preis, der in verschiedenen Farben erhältlichen Figuren beträgt 40 Euro.

Das Kunstprojekt „Solus Christus 3D.0“ kann noch bis zum 30. Juni 2017 in der Evangelischen Kirche in Haan besucht werden. Öffnungszeiten: sonntags, je eine Stunde vor und nach dem Gottesdienst, mittwochs von 9.30 bis 12 Uhr, freitags von 17 bis 19 Uhr sowie samstags von 10 bis 13 Uhr.


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