Home 3D-Drucker Review: Gemischte Gefühle für den Wanhao Duplicator 7 1.4

Review: Gemischte Gefühle für den Wanhao Duplicator 7 1.4

Wir haben einen Wanhao Duplicator 7 Version 1.4 erhalten und den Drucker auf Herz und Nieren getestet. Selten hat uns ein 3D-Drucker so viel Gutes und so viele Probleme gleichzeitig geliefert. Grund genug um auf die einzelnen Punkte in einem ausführlichen Review einzugehen!

Bevor das Review aber so richtig startet, eine kurze Zusammenfassung der Geschichte zum SLA/DLP 3D-Druck der letzten Jahre. Während vor einigen Jahren SLA 3D-Druck ausschließlich mit Laser oder komplexen Projektoren (spezielle für DLP optimiert) möglich war, hat sich die Technologie grundsätzlich verändert:

LCD Displays können ebenfalls eingesetzt werden um Licht nur gezielt zum Resin durchzulassen. Legendär sind mittlerweile die 5.5 Zoll LCDs mit einer Auflösung von 1440 x 2560 Pixeln. Da diese in unzähligen 3D-Drucker und Smartphones verbaut werden, sind auch die Preise mittlerweile entsprechend niedrig. Der Wanhao Duplicator D7 war einer der ersten Drucker, die diese Technik massentauglich auf den Markt gebracht hat. Das Gerät existiert mittlerweile schon in der vierten Version.

Mechanik und innere Werte

Im Inneren des Wanhao D7 schlummern eigentlich keine großen Überraschungen. Es gibt ein wenig Elektronik zur Steuerung des Schrittmotors und der LED zur Belichtung. Zudem gibt es ein Netzteil, das den Strom dafür bereitstellt. Ebenfalls im Inneren befindet sich die Treiberplatine für das LC-Display. Diese Platine ist übrigens mehr oder weniger standardisiert und kann wie das LCD-Panel selbst online gekauft werden. Grundsätzlich wirkt die Elektronik soweit solide. Gröbere Kritikpunkte haben wir an dieser Stelle nicht entdecken können. Der mögliche Druckbereich beträgt übrigens “nur” 120x68x180mm, hier ist das LCD Display ganz klar der einschränkende Faktor.

Verbesserungswürdig ist jedoch das Konzept zur Kühlung der einzelnen Bestandteile des 3D-Druckers. Insgesamt besteht die Kühlung nur aus zwei kleinen (und damit auch relativ lauten) Lüftern, einer für die Treiberplatine und einer für die 50 Watt UV LED, die zur Belichtung verwendet wird. Wie man aus diversen Berichten in Foren und Communities erfahren kann, ist das eher unzureichend. Insbesondere kann es vorkommen, das die Hitze des UV LED Moduls aufsteigt und ein Hitzestau um Bereich des LCD-Panels entsteht. Das ist weder für die UV LED noch für das LCD-Panel besonders gut und kann die Lebensdauer beider Bauteile verkürzen.

Die Führung der beweglichen Z-Achse wurde am Wanhao D7 schon in vergangenen Versionen immer wieder bemängelt und optimiert, sie funktioniert jetzt auch ausreichend gut für den 3D-Drucker. Das Einstellen der Druckplattform ist mit 4 Schrauben einfach aber funktional gelöst worden. Unschön ist, dass sich der Endschalter für der Z-Achse am unteren Ende befindet. Das mag zwar praktisch sein, bringt aber eine Gefahr mit sich. Bei einem Defekt des Schalters kann es passieren, dass die Druckplattform zu weit abgesenkt wird und das LC-Display zerstört wird.

Aufbau und Inbetriebnahme

Der Aufbau des Wanhao D7 ist eigentlich schnell erledigt. Der Drucker wird fertig geliefert und muss nur mehr angeschlossen werden. Das heißt in der Praxis: es wird Strom benötigt und ein PC der die G-Code Befehle zur Steuerung, sowie das notwendige HDMI Signal liefert. Ohne PC ist der Wanhao D7 nicht in der Lage etwas zu Drucken, alternativ zum stromfressenden PC, kann aber auch ein Raspberry Pi mit NanoDLP eingesetzt werden. In diesem Fall muss man aber die Firmware des Wanhao D7 modifizieren.

Wenn am PC erstmal die Software läuft und alle Einstellungen gesetzt sind, kann es auch direkt los gehen. Erst muss die Druckplattform richtig eingestellt werden, was mit 4 Schrauben aber schnell erledigt ist. Das mitgelieferte Resin (mit leicht toxischem Geruch) muss gut geschüttelt werden und kann dann in das Flex-Vat (=Resinbehälter mit transparenter FET-Folie am Boden) gefüllt werden. Anschließend kann man mit dem ersten Druck beginnen.

Pannen, Pech und gute Druckqualität

Die Steuerung per Laptop hat sich in unserem Test immer wieder als unzuverlässig erwiesen, so haben Benachrichtigungen zu Updates (das Betriebssystem war Windows 10) gleich mehrere Druckversuche nachhaltig verhindert. Von einem etwas älteren Laptop (mit einem i5 erster Generation, also etwa 8 Jahre alt) konnte der LCD-Treiber gar nicht erst angesprochen werden. Deutlich besser hat da die Ansteuerung per Rasperry Pi (Modell 2 sollte es dafür aber mindestens sein) funktioniert – einen Bericht wie das geschafft werden kann, reichen wir noch nach.

Schließlich ist es uns gelungen doch noch einige Ausdrücke mit dem mitgelieferten Resin zu schaffen. Nervig ist dabei, dass das Resin aufgrund seiner grauen Farbpartikel vor jedem Ausdruck gut gemischt werden muss. Der Geruch des Resins ist zudem alles andere als angenehm, in Wohnräumen können wir den Einsatz eigentlich nicht empfehlen.

Trotz all dem Übel hat der Wanhao D7 immer wieder Ausdrucke mit hoher Qualität geliefert. Problematisch war für uns die mitgelieferte Software zur Erstellung von Support-Strukturen. Diese Strukturen haben weit mehr als nur einen Ausdruck von uns zunichtegemacht. Aber auch die originale Druckplatte war nicht optimal, erst nachdem wir sie aufgeraut haben haben die Drucke besser auf ihr gehalten. Insgesamt hatten wir mit einer Vielzahl an Problemen zu kämpfen, zwischen durch gab es aber immer wieder Lichtblicke in Form von überzeugender Druckqualität. Eines ist an der Stelle ganz klar: wer neu beim 3D-Druck mit Resin ist muss eine steile Lernkurve hinlegen oder wird die Technologie schnell verfluchen.

Nachbearbeitung und Gesundheitsgefahren

Nach dem Ausdruck muss man das gedruckte Objekt erst nachbearbeiten. Wir haben in Versuchen entdeckt, dass dafür folgende Schritte notwendig sind: Das frisch gedruckte Objekt wird entfernt und anschließend in einem IPA Bad im Ultraschallreiniger für einige Minuten gereinigt. Anschließend muss das Objekt noch nachbelichtet werden, was in der Sonne oder in einem UV-Nagelstudio gemacht wurde. Erst dann kann das Objekt ohne bedenken Angegriffen werden.

Der Umgang mit flüssigem Resin erfordert einige besondere Sicherheitsmaßnahmen. Grundsätzlich sind die verschiedenen Resine nicht förderlich für die Gesundheit. Daher sollte jeder Kontakt mit der Haut vermieden werden. Aber auch der toxische Geruch und die Gefahrenhinweise in den Datenblättern wirken für uns nicht gerade vertrauenerweckend. Daher empfehlen wir zusätzlich eine Schutzbrille (damit nichts in die Augen spritzen kann) und den Drucker nicht in einem Wohnraum oder in einem Raum mit Tieren zu betreiben.

Fazit

Neben einer Vielzahl an Problemen und Fehldrucken konnten wir auch einige Ausdrucke mit enormer Qualität bestaunen. Nervig ist die aufwendige Nachbearbeitung nach jedem Ausdruck und die Tatsache, dass ein Raspberry Pi zusätzlich benötigt wird. Der Betrieb am klassischen PC ist für uns keine gute Lösung. Außerdem war die verbaute LED Lichtquelle nicht unproblematisch. Sie leuchtet den Druckbereich nicht ganz gleichmäßig aus, das kann man korrigieren, benötigt aber einen entsprechenden Sensor zur Vermessung der Lichtintensität. Ebenfalls eine Fehlerursache ist (fehlende) Temperatur, wenn es zu kalt ist, wird das Resin ziemlich zähflüssig. So war es uns auch nur möglich bei den Testversuchen hauptsächlich kleine Objekte erfolgreich zu drucken. Je größer die Objekte waren, desto größer auch die Probleme. Wer sich für die Technologie begeistern kann und kein Geld für einen teureren 3D-Drucker (Prusa SL1 oder die wesentlich teureren Geräte von Formlabs) ausgeben will oder kann, der kann aber durchaus zum Wanhao D7 greifen.

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