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Wer macht das Rennen? High- oder Low-Price 3D-Drucker?

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Déjà-vu auf der EUROMOLD und anderen 3D-Druck-Messen. Manche unter den älteren Messebesuchern mögen sich dabei vielleicht an alte Zeiten erinnert fühlen.

Auf der einen Seite  die arrivierten Platzhirsche der 3D-Druck Branche, die Unternehmen  Stratasys,3D Systems, EOS oder Voxeljet mit ihren imposanten Inkjet, Objet, Polyjet- und SLA-Druckern, auf der anderen Seite zahllose Start-ups, die innovative 3D-Druckerentwicklungen, kleine FDM-Alleskönner und preiswerte SLS- und SLA-Druckern vorstellen. Zwei Welten. Schnell bei der Hand ist so mancher mit Erklärungen, die den Unterschied zeigen sollen: Die Genauigkeit der Bauteile, die Fertigungsprozesssicherheit und die im industriellen Umfeld notwendige Zuverlässigkeit der Additiven Fertigung hätten halt ihren Preis. Demgegenüber könnten die Consumer- und semi-professionellen Geräte der Newcomer, wenn überhaupt, Hobbybedürfnisse befriedigen und maximal einfache Prototypen fertigen.  Tiefer in die Tasche greifen müssten halten jene, die Sicherheit und Zuverlässigkeit für die unternehmerische Praxis einfordern..

Wer in  den 80er und 90er Jahren die Cebit oder andere Computermessen besuchte, dem drängen sich Parallelen auf.  Damals standen auf der einen Seite die Großen der Branche, IBM, DEC und Siemens auf der anderen die aufstrebenden PC Hersteller wie Apple, DELL, Compaq, HP usw.. Man hatte immer den Eindruck, die Erstgenannten  in ihren dunklen Anzügen, würden das Auftreten der Emporkömmlinge aus US-amerikanischen Garagen ignorieren oder belächeln. Noch lange hielt sich die Meinung, professionelle Informationstechnologie in der Wirtschaft sei nur mit Mainframes (Großcomputern) mit ihren proprietären Betriebssystemen möglich. Die weitere Entwicklung ist bekannt: PC-Netzwerke, Open-Source-Betriebssysteme, Laptops und Smartphones haben ihren Weg in die IT-Infrastruktur der Unternehmen gefunden.

Was damals der Desktop-PC war, ist jetzt der Desktop-3D-Drucker.  Auch heute hört man hin und wieder das abschätzige Argument, mit diesen Geräten könne der Privatanwender ja höchstens mal einen Eiffelturm oder anderes Spielzeug ausdrucken. Da hilft vielleicht der dezente Hinweis, dass Andenken und Souvenirs  bisher in der Regel auch industriell gefertigt wurden und die Spielzeugbranche keinen unwichtigen Wirtschaftsfaktor darstellt. Wer heute auf Thingiverse die abertausenden Baupläne für zahllose praktische Zwecke betrachtet, kann ahnen, wieviele Objekte  schon heute nicht mehr klassisch sondern additiv gefertig werden.

Aber die Entwicklung geht viel weiter. SLS-Drucker z. B. von Formlabs, die für gut 3.000 EUR hochpräzise, komplexe Geometrien aus unterschiedlichen Materialen zuverlässig zu drucken in der Lage sind. FDM-Drucker, wie der Mark1, der mit Materialien wie Nylon, Kevlar und Glasfaser hochfeste Bauteilen fertigt oder das Gerät der Firma INDMATEC, das Hochleistungskunststoffe wie PEEK bei Temperaturen von über 400 Grad verarbeiten kann. Auch Carbon und das “Wundermaterial” Graphen kommen als Filament auf den Markt  Die eigentliche Revolution könnte sich möglicherweise aber in der Serienfertigung abspielen. Kann mit einer großen Zahl leistungsfähiger, verbesserter, kostengünstiger SLS-, SLA oder FDM-3D-Desktopdrucker eine Serienfertigung mit großer Ausbringungsmenge auf die Beine gestellt werden? Wie schnell und flexibel das funktionieren könnte hat die Firma Formlabs auf der SOLID Conference 2015 vorgeführt:
Eine Popup-Factory aufgebaut, 500 Teile hergestellt und die Fabrik wieder demontiert. Und das alles innerhalb von 2 Tagen (mehr dazu hier).

Wie lässt sich aber in realen Produktionsprozessen die Bedienung  für viele 3D-Drucker automatisieren? Es gibt die ersten Beispiele. die genau in diese Richtung zielen und die ersten Antworten geben. Über einige haben wir berichtet. Z.B. VOODOO MANUFACTURING.

Bei der Wahl des 3D-Druckers kommt es neben den wirtschaftlichen Fragen natürlich auf die technische Machbarkeit und Qualitätsfragen an. Wenn es um Metall oder um hochpräzise, formstabile Bauteile geht, führt heute noch kein Weg an den bekannten 3D-Druck-Herstellern vorbei. Darüber hinaus entscheidend ist die Produktionslogistik. An der Frage “Wie viel Zeit vergeht zwischen Auftrag und Lieferung?”, entscheidet sich das Tempo der Einführung des 3D-Drucks in der Fertigung (Siehe dazu: 7 THESEN ZUR REVOLUTIONIERUNG DER FERTIGUNG).

Wohin die Reise gehen muss, sieht man beim 3D-Druck-Dienstleister CloudDDM, der zusammen mit UPS den Versand von 3D-gedruckten Teilen am Tag der Bestellung anbietet.

Werner Koch, 3D-Druck Solingen

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