Anet A6 Review – Wie viel 3D Drucker bekommt man für 220 Euro?

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Anet A6Als 3D Druck Einsteiger steht man oft vor der Wahl welches Budget für den Kauf eines 3D Druckers zur Verfügung steht. Im unteren Preissegment gibt es eine Flut von günstigen Modellen, oft aus China. Der Aufbau dieser basiert oft auf dem beliebten Pruse i3, der aus dem RepRap Movement entstanden ist. In der gebotenen Qualität unterscheiden sich die Angebote teilweise sehr stark. Preislich kann man diese Geräte zwischen 200 und zirka 800 Euro erwerben.

Tatsächlich kann man ein funktionstüchtiges 3D Drucker Kit, zum selber Aufbauen, mittlerweile für deutlich unter 300€ kaufen. Um zu schauen was damit möglich ist haben wir den Anet A6 für euch auf Herz und Nieren geprüft. Von ein paar kleinen Fehlern abgesehen, die während des Tests zum Vorschein gekommen sind, leistet der Anet A6 für den Preis von knapp 220€ ausgezeichnete Dienste und hat großteils eine überraschend gute Qualität.

Gute Ergebnisse bei den Testausdrucken:

Als ich die Box vom Anet A6 das erste Mal geöffnet habe kamen bereits erste Zweifel: Das Styropor das alle Teile schützen soll war an mehreren Stellen stark beschädigt und überall in der anet-a6-review-6Verpackung waren Styropor Kugeln verteilt. Die Bauteile des 3D Drucker lagen teilweise bunt durchgemischt da. Nachdem alles ausgepackt und die Styroporreste mühevoll entfernt waren gab es aber Entwarnung – nur die Aluminium Druckplatte hatte einige kleinere Kratzer. Kein anderes Teil wurde während des Transports beschädigt.

Trifft man die richtigen Einstellungen wird man von den Ergebnissen positiv überrascht sein

Mitgeliefertes Werkzeug
Mitgeliefertes Werkzeug

Bei dem A6 Kit wird sämtliches Werkzeug, das man für den Zusammenbau des 3D Druckers gebraucht wird, mitgeliefert. Auch ein USB Micro SD Karten Leser samt 16GB MicroSD Karte ist dabei. Auf dieser befindet sich die ausführliche Anleitung für den Zusammenbau. Alternativ bietet der Hersteller die Anleitung als YouTube Video, bei dem der Aufbau Schritt für Schritt gezeigt wird. Wer der Anleitung folgt kann den 3D Drucker an einem Bastel-Tag fertig zusammen Bauen.

anet-a6-review-1Der Zusammenbau der mechanischen Bauteile und der Elektronik klappte problemlos, man sollte nur vor dem Zusammenbau sämtliche Schutzfolien vom Plexiglas entfernen, danach ist dies eigentlich unmöglich. Ein Problem ergab sich dann doch noch mit dem mitgelieferten Netzteil, hier haben sich einige Schrauben beim Transport gelöst und sind ins Innere des Netzteils gefallen. Wenn das Netzteil in diesem Zustand angeschlossen wird, könnte die Gefahr eines Kurzschlusses bestehen. Im schlimmsten Fall würde das womöglich das Netzteil und andere Elektronik zerstören. Die schnelle Möglichkeit das Netzteil zu öffnen und die Schrauben zu entfernen, sollte man nur selbst machen wenn man weiß was man tut! Wir empfehlen in diesem Fall eine Reklamation des Netzteils beim Händler an.

Setzt man, wie vom Hersteller empfohlen, die Abdeckung für die Elektronik ein drücken einige Kabel auf die Kühlkörper des Treibers. Bei starker Belastung könnte dies zu Problemen mit der Lebenszeit der Treiber führen, da die Weitergabe der Wärme an die Luft eingedämmt wird.

Perfekt für Einsteiger mit Ambitionen zum Basteln

Für den Drucker kann man so gut wie jede derzeit verfügbare Software verwendet, die mit RepRaps zusammenarbeitet. Für Cura wurde vom Hersteller ein Profil des Druckers mitgeliefert. Wer eine andere Software verwendet, muss die Grundeinstellungen selber auswählen oder die Werte vom Cura Profil übernehmen.

Für unsere Tests verwenden wir großteils die Stresstests von Make.

Nun geht es endlich ans Drucken! In meinem Praxistest konnte der 3D Drucker seine Stärken ausspielen, sowohl Skulpturen, wie auch das Gecko und die Vase wurden in ausgezeichneter Qualität gedruckt. Dabei kann der Anet A6 sogar mit Schichtdicken kleiner 0.1mm arbeiten. Bei 75 Mikrometern sind die Ergebnisse wirklich ausgezeichnet, man kann einzelne Schichten kaum mehr erkennen.

Nach einigen Ausdrucken hatte sich das Filament verlegt und trotz Aufheizen des Extruders konnte es nicht mehr entfernt werden. Ich musste das gesamte Hotend zerlegen und reinigen. Nach dieser Prozedur schien alles normal. Im Betrieb ist jedoch flüssiges Filament bei der Nozzle (Druckspitze) und auf der Oberseite des Aluminium Heizblockes ausgetreten. Dies war auf den falschen Zusammenbau des Extruders meinerseits zurückzuführen. In der richtigen Reihenfolge zusammengebaut funktioniert alles wieder tadellos.

Um euch den möglichen Ärger zu ersparen, hier die richtige Vorgehensweise (diese gilt übrigens auch für die meisten Hotends, wie zum Beispiel das populäre E3D V5 und V6):

  1. Zerlegen und reinigen des Hotends (möglicherweise klappt das Zerlegen nur wenn es heiß ist)
  2. Spitze (=Nozzle) an den Heizblock schrauben und um eine Umdrehung lösen
  3. Die Gewindestange mit dem PTFE Schlauch von oben einschrauben, so fest wie möglich
  4. Spitze fest anziehen – Dabei ist Vorsicht geboten! Mit zu viel Kraft riskiert man das Gewinde zu zerstören
  5. Hotend einbauen und auf 190-210 Grad Heizen und einige Minuten warten
  6. Spitze nochmals fest anziehen, solang das Hotend noch heiß ist

Tatsächlich war das Hotend danach wieder dicht. Nach über 10 Stunden Druckbetrieb ist mir eine kleine Menge schwarzes PLA auf dem Heizblock aufgefallen. Da es nicht mehr wurde und der 3D Drucker exzellente Ergebnisse produziert hat, stellte dies für die weiteren Tests kein Problem dar.

Zur Mechanik des Anet A6

anet-a6-review-4Der 8mm Plexiglas Grundaufbau ist sehr stabil und sauber ausgeführt. Die Lagerblöcke für die Y Achse wirken billig und eines der Kugellager hat während des Tests eine Kugel verloren. Trotzdem bewegt sich die Achse nur in die gewünschte Richtung und das absolut Spielfrei. Die Z Achse verwendet Trapezgewinde anstatt der üblichen Gewindestangen, das wirkt ebenfalls professionell und äußerst Stabil – zudem sagt man Trapezgewinden eine längere Lebensdauer nach. Der Aufbau der X Achse besteht komplett aus Metall was einen äußerst Stabilen Eindruck vermittelt, wobei das wahrscheinlich aufgrund der Hotend-Konstruktion so notwendig war. Die X und Y Achse werden mit Zahnriemen angetrieben, eine Möglichkeit diese besser zu spannen gibt es leider nicht. Der Filament Einzug ist für PLA und ABS sicherlich ausreichend, was im Test leider nicht geklappt hat war flexibles Filament. Laut ist der 3D Drucker selber nicht, die eingebauten Lüfter jedoch schon – wobei man durchaus noch neben dem laufenden 3D Drucker arbeiten kann. Was wirklich laut ist, ist das Piepsen das der 3D Drucker beim Einschalten und beim Verbinden mit dem PC von sich gibt.

Fazit

Alles in Allem ist der Anet A6 ein tolles Gerät für Bastler. Der Aufbau des Hotends ist für PLA optimiert, da der eingebaute PTFE Schlauch Temperaturen über 230-240 Grad nicht lange standhält. Wer also andere Materialien verarbeiten will, sollte einen anderen Bausatz wählen. Natürlich sind teure 3D Drucker mechanisch und elektrisch hochwertiger ausgerüstet, dennoch können sich die Druckergebnisse aus dem Praxistest sehen lassen!

Disclaimer:
Wir haben das 3D Drucker Kit von GearBest zur Verfügung gestellt bekommen. Unsere Bewertung ist objektiv und geben unsere Erfahrungen mit dem Anet A6 wieder.
Im Rahmen der Review Partnerschaft weisen wir auf die Promotion die im Moment bei GearBest läuft hin. Jeden Tag gibt es neue Aktionen bei der Fant4sic Fall Promo, mit unterschiedlichsten Produkten. Mit ein bisschen Glück ist das Anet Kit auch dabei.

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