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3DMP®: Eine industrielle Technologie – tausend kreative Möglichkeiten in XXL

Industrieller Metalldruck trifft Design, Architektur und Kunst

Im Zeitalter der Digitalisierung ist es nicht mehr möglich, Kunst und Gestaltung vollständig von innovativen Technologien und digitalen Prozessen abzugrenzen. Im Gegenteil, es besteht eine ständige Wechselwirkung: Innovation braucht Kreativität, und alles Neue inspiriert und schafft Ideen. Genau diese Wechselwirkung haben wir bei Print Pioneers erkannt. Unsere Technologie liegt dabei voll im Trend der digitalen Revolution. Wir sind spezialisiert auf 3D-Metalldruckverfahren und möchten das Potenzial, das in der Kombination von 3D-Metalldruck und Kunst bzw. Gestaltung steckt, voll ausschöpfen.

„Kunst ist eine verrückte Suche nach Individualität.” Paul Gauguin

Unser Ziel ist es, über das industrielle Verfahren 3D-Metal-Printing (3DMP®) zu informieren, dieses auch für Kunden und Partner aus den Bereichen Architektur, Design und Kunst nutzbar zu machen und somit neue Anwendungsbereiche für die Technologie zu definieren. 3DMP® ist eines der effizientesten und kostengünstigsten Herstellungsverfahren im 3D-Metalldruck.

Das Verfahren basiert auf der seit dem 19. Jahrhundert gängigen Methode des Lichtbogenschweißverfahrens. Durch das Aufschmelzen von Metalldraht entstehen Lage für Lage Objekte, die je nach Geometriekomplexität 3-achsig oder 5-achsig aufgebaut werden. Genau hierin liegt die Besonderheit des Verfahrens, die 3DMP® interessant für kreative Branchen macht.

Das 3DMP® Druckverfahren bietet eine Vielfalt neuer Geschäftsideen und eine große Spielwiese für Designer, Ingenieure und Künstler. Unser Fokus liegt dabei auf der Identifizierung neuer und visionärer Anwendungsmöglichkeiten dieser Technologie.

Die 3DMP® Technologie grenzt sich durch faszinierende Oberflächen und facettenreiche Formgebungsmöglich-keiten von anderen Metalldruckverfahren ab. Bei der additiven Schweißtechnik entsteht eine charakteristische Oberflächenstruktur, die viel Spielraum für Kreativität bietet und jedes Mal einzigartig ist. Je nach Führung der Brennerdüse ergibt sich eine besondere Haptik, die den Drucken nicht nur eine individuelle Ästhetik verleiht, sondern auch funktional, z.B. zur Unterstützung von Statik oder Festigkeit, eingesetzt werden kann. Das Verfahren bietet die Möglichkeit, verschiedene Metalle zu verwenden und bis zu 3 Kubikmeter große Objekte zu drucken. Von klaren Linien bis zu komplexen, organischen Formen sind der Formgestaltung kaum Grenzen gesetzt.

„Nur ein Narr macht keine Experimente.” Charles Darwin

The Thinker von Moto Waganari
Zusammen mit dem Künstler Moto Waganari hat Print Pioneers die Metallskulptur „The Thinker“ entwickelt, welche mit der 3DMP® Technologie gefertigt wurde. Hierbei ist eine neue Druckmethode entstanden: das „Punkten“. Durch das Aufschweißen von einzelnen Tropfen entsteht eine 3D-Gitternetzstruktur.

Seit 2017 arbeitet Print Pioneers (früher 3DMP® Living) mit Kreativen aus den Branchen Design, Architektur und Kunst zusammen, wodurch nicht nur innovative Projekte entstanden sind, sondern auch Grenzen der Technologie gesprengt und neue Erkenntnisse erlangt wurden. Wir lieben es, zu experimentieren und das Potenzial des 3D-Drucks auch in nicht-industriellen Anwendungsbereichen voll auszuschöpfen. Wir bieten ein professionelles Umfeld und viel Experimentierraum für alle Kreativen. Da jeder Druck einzigartig ist, entstehen somit Unikate, deren Machbarkeit durch eine Synergie von Mensch und Maschine geprägt ist.

 

In einem Kurzinterview beschreibt Künstler und Architekt Lutz Wagner, warum er die 3DMP® Technologie als eine Bereicherung für alle gestalterischen Branchen sieht:

Print Pioneers: Wie haben die Zusammenarbeit mit Print Pioneers und der Zugang zur 3DMP® Technologie Deine Arbeit als Architekt und Künstler beeinflusst?

Lutz Wagner: Inzwischen kenne ich Eure Technologie so gut, dass ich glaube, dass ich diese schon ziemlich verinnerlicht habe. Eigentlich frage ich mich ständig, ob etwas, was ich sehe und mich inspiriert, auch druckbar ist. Wenn ich als Künstler argumentiere, also kreativ, dann interessiert mich die Form, also das Sprengen der gewohnten Formen, die mir Stahl bietet. Stahl ist immer normgerecht und bisher haben wir Architekten hauptsächlich mit vorgefertigten Industrieteilen, d.h. Bauklötzen, die eine bestimmte, vorgegebene und meist sehr geometrische Form haben, gearbeitet. Durch 3D Metalldruckmethoden wie 3DMP® kann ich statt eines gekauften T-Trägers organische, wachsende Formen einsetzen. Das sieht ästhetisch super aus, nicht so langweilig wie eine gerade Linie. 3DMP® erlaubt es, mir Statik und Ästhetik, also Stütze und Skulptur organischer vorzustellen und zu gestalten. Durch die Zusammenarbeit mit Print Pioneers habe ich Menschen um mich, die sich mit der Technologie auskennen und mir diese erklären. Außerdem erarbeiten wir gemeinsam, wie Form, Material und Technologie gut miteinander harmonieren, wodurch das Projekt auch wirtschaftlich effizient vorangebracht wird.

Print Pioneers: Wie  alle additiven Fertigungsverfahren hat auch 3DMP® Design Guidelines, an denen man sich orientieren muss, um ein Objekt druckbar zu gestalten. Wie ist es, mit diesen Limitierungen zu arbeiten?

Lutz Wagner: Als Architekt bin ich Eingrenzungen gewohnt. Wenn zum Beispiel ein Krankenhaus gebaut werden soll, dann gibt es sehr viele Bedingungen, die einzuhalten sind. Da kann man nicht einfach frei drauflos entwerfen. Jetzt kannst du natürlich meckern und sagen: „ich ignoriere diese Grenzen, ich entwerfe was ganz Tolles!”. Das nützt dann nur niemandem etwas. Die eigentlich wahre Kunst ist es doch, das Beste aus all den Limitierungen herauszuholen. Nur so kommen absurde, neue Entwürfe zustande. Ich finde, an Einschränkungen darf man nicht verzweifeln. Man kann ja auch Eisen nicht mit einem Taschenmesser schnitzen. Holz kann wiederum nicht das, was Metall oder Beton kann.

Print Pioneers: Wo siehst du sinnvolle Anwendungen für 3DMP® im Bereich der Architektur?

Lutz Wagner: Ich denke, dass vor allem Knotenpunkte ein großes Potenzial aufweisen. Knotenpunkte sind sehr komplex und bisher musste man diese kompliziert zeichnen und sich dabei immer auf bestehende Industrieprodukte beschränken. Jeder Knotenpunkt hält viele wichtige Elemente zusammen und dann muss ja noch der Handwerker bei der Montage darankommen. Die Freiheit in Form und Struktur, die 3DMP® ermöglicht, erleichtert die Gestaltung von Konstruktionen mit Knotenelementen enorm. Es ist dadurch möglich, einen organischen, perfekt an Funktion und Form der Konstruktionselemente angepassten Knotenpunkt zu gestalten. So können digital viele Fragestellungen schon im Voraus gelöst und Knotenpunkte erstellt werden.

Print Pioneers: Heißt das, dass Du die Knotenpunkte schon während dem Entwurf im CAD berücksichtigst und designst und sie dann direkt drucken lässt, sodass diese nur noch rechtzeitig geliefert und montiert werden müssen?

Lutz Wagner: Ja, genau so meine ich das. Ein glück sind wir endlich dabei, digitale Prozesse in der Entwurfsphase einzusetzen. Das ist eine gigantische Revolution der letzten zehn Jahre. Früher konnte man Knotenpunkte aus Ton und Knete basteln. Solche organischen Formen können jetzt auch digital modelliert und an das große Ganze angepasst werden. Das spart Zeit und Ressourcen und gibt gleichzeitig mehr künstlerischen Freiraum.

Print Pioneers: Apropos Knotenpunkte; der BUGA-Tree war ein erster Versuch für ein Verbundelement, das in unserer Kooperation zustande gekommen ist. Was war Deine Inspiration für den BUGA-Tree?

Lutz Wagner: Der BUGA-Tree ist ein erster Versuch, bei dem ich mich von der Natur inspirieren lassen habe und testen wollte, wie weit sich organische, natürliche Formen und Winkel mit der 3DMP® Technologie umsetzen lassen. Ich habe mich von Bäumen im Wald inspirieren lassen und mir die Statik und Winkel dieser Bäume genau angeschaut. Die Natur zeigt uns die besten Lösungen, wenn wir danach Ausschau halten, und diese erweisen sich dann meistens auch im Druckprozess als machbar und effizient.

Ein erster Versuch: der BUGA Tree ist ein Projekt des Architekten Lutz Wagner und ermöglichte Experimente im Bereich Knotenpunkte. Das Exponat wird auf der BUGA 2019 ausgestellt.

Print Pioneers: Was könnte Deiner Meinung nach im Bezug auf 3DMP® im Bereich Architektur noch relevant sein?

Lutz Wagner: Es sind so viele Gewerbe am Bau, so viele Zulieferer und unterschiedliche Branchen. Als Architekt bekommt man viel mit und ist trotzdem nur die Schnittstelle. Da gibt es noch so viele andere Branchen, für die 3DMP® interessant ist. Allein schon die Arbeit mit Beton, welcher wie Stahl ein wichtiges Material in der Architektur ist, bietet viele Möglichkeiten, gedruckte, organische Formen einzusetzen. Ich denke dabei an neue Formsprachen von Gitterstrukturen, die gedruckte Elemente mit Beton kombinieren. Oder organische Gussschalen für Beton, wodurch tolle Decken und Wände entstehen können. Die Technologie bietet wirklich viele Möglichkeiten. Ihr macht die Technologie verschiedenen Branchen zugänglich und seid damit auf dem richtigen Weg. 3DMP® ist lange nicht mehr nur interessant für den Bereich Maschinenbau.

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