Picaroon: Interaktive Kunst aus dem 3D-Drucker

659

Picaroon, eine Kollaboration aus technikaffinen Künstlern und Designern, stellen ihr neues Projekt vor und erklären, warum dabei die meisten Teile bereits jetzt aus dem 3D-Drucker kommen. 

Tangible Orchestra heißt das neue Projekt der internationalen Design- und Kunstschmiede in Edinburgh (UK), letzte Woche wurde es erstmals öffentlich vorgestellt: Von Außen betrachtet stellen die sieben etwa einen Meter hohen Zylinder aus halbtransparentem Acryl eine schlichte Erscheinung dar, im inneren jedoch sitzen dicht gedrängt Sensoren und Elektronikbauteile, die darauf warten den Besucher zu überraschen.

TangibleOrchestra_002 Kopie

Stellt sich eine Person auf das Podest, wird ihre Position von mehreren Ultraschallsensoren erfasst und trianguliert. Steht sie dabei innerhalb eines definierten Radius um einen Zylinder herum, so wird dieser Zylinder aktiviert und ein Hifi-System im unteren Teil eines solchen Zylinders beginnt den Auszug einer Komposition zu spielen, jedoch nur mit einem einzigen Instrument. Jedem Zylinder ist sein eigenes Instrument zugeordnet und je mehr von ihnen aktiviert werden, desto mehr Instrumente stimmen dynamisch in das Musikstück mit ein.

TOrch_02_12

Vor größeren Herausforderungen standen dabei die Designer vor allem bei der sicheren Unterbringung der Masse an Elektronikteilen im Inneren der Installation. Der komplette innere und teilweise statische Aufbau wurde dabei in über 250 einzelnen Teilen am Computer geplant und in 3D gedruckt. Zum Einsatz kamen Felix 3.0 der niederländischen Firma Felix Printers und etwas mehr als 35 kg Filament, Gründerin Rebecca Gischel erinnert sich:

Nachdem wir in unseren Simulationen ausgerechnet hatten, wie viel Gewicht das alles aushalten muss, begannen wir die innere Statik noch einmal komplett zu überarbeiten. Bei einer Installation im öffentlichen Raum hat man damit zu rechnen, dass jemand dagegen läuft oder dass ein Kind versucht, sie zu erklettern. Wir haben daher die Teile, die der größten Belastung ausgesetzt sind, in Taulman Nylon gedruckt. Bei so vielen Kilogramm Filament mussten wir allerdings schon etwas mit unserem Budget haushalten.

TOrch_Founders2013

TOrch_PrintTube

Tangible Orchestra ist ein weiteres gutes Beispiel, dass 3D-Druck auch zunehmend in künstlerischen Projekten Anwendung findet. Das dieser dabei oft das verbindende Element aller Teildisziplinen ist, findet Gründer Sebastian Walter selbstverständlich:

Man sollte sich anschauen, welche Aufgaben unsere Druckteile erfüllen mussten. In die Druckteile wurden die gesamte Elektronik und über 100 Sensoren verschraubt. Der Sound kommt ja aus dem Inneren der komplett abgedichteten Zylinder. Wir haben dann eine Konstruktion simuliert und gedruckt, um den Schall möglichst schnell nach außen zu leiten, ohne die hohen Frequenzen zu verlieren.

TOrch_04_08_bw Kopie

Gastbeitrag: Swantje Müllerswantje

Swantje Müller (Jahrgang 1991) studiert Psychology of Individual Differences an der Universität in Edinburgh und begleitet die Künstlergruppe Picaroon seit 2012 beratend.

Link: http://www.picaroon.eu/tangible_orchestra.html

Wollen Sie auch einen Gastbeitrag schreiben? Kontaktieren Sie uns!

Vorherigen ArtikelÖsterreichische STO investieren in zwei neu 3D-Drucker
Nächsten ArtikelAIO Robotics „Zeus“: All-In-One 3D-Drucker – Update: Jetzt auf Kickstarter
Johannes

Johannes ist der Gründer von 3Druck.com, Forscher am Institut für Innovationmanagement an der Johannes Kepler Universität und ein Nerd. Neben seinen Tätigkeiten bei 3Druck.com beschäftigt er sich auch wissenschaftlich mit den Technologien der generative Fertigung sowie deren Auswirkungen auf die Wirtschaft, Gesellschaft, Industrie und Politik und veröffentlicht dazu auch Journal Publikationen.