Review des Prusa i3 MK2S: Wir sind überrascht!

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Vor rund einem Monat habe ich den Bausatz des Prusa i3 MK2S erhalten, dem neuesten Modell des oft kopierten Prusa i3. Nachdem ich den Drucker zusammengebaut habe, konnte ich ihn auf Herz und Nieren testen und bin zu einem überraschenden Ergebnis gekommen – aber lest selbst: 

Nachdem ich den 3D-Drucker sauber verpackt erhalten habe, hat erst alles mit dem Auspacken begonnen. Hier fällt der schöne Karton in dem sich der Drucker befindet sofort ins Auge, nach dem Öffnen des Kartons findet man im Inhalt weitere Kartons vor. Alles ist gut gesichert und beschriftet, die Verpackung wirkt äußerst schlüssig – hier hat sich wirklich jemand Gedanken gemacht.

Lose liegt ein Prüfprotokoll bei, es wurde vor dem Einpacken unter anderem geprüft ob die Schrittmotoren funktionieren, ob das Hotend 240 Grad in unter 1:50 Minuten erreicht und ob das Heatbed 97 Grad in unter 8 Minuten erreicht. Ebenso lose liegt eine Bauanleitung und eine Bedienungsanleitung in ausgedruckter Form bei. Zusätzlich ist die Anleitung auch in digitaler Form online erhältlich. Die ausgedruckte Form (zwei kleine Bücher) ist nur in Englisch verfasst und die Qualität des Druckes macht es schwierig manche Bilder richtig zu erkennen. Dennoch ein klarer Pluspunkt, ich konnte den gesamten Zusammenbau nur mit der ausgedruckten Anleitung durchführen und musste nicht ständig zwischen Computer und Zusammenbau wechseln.

Für den Zusammenbau sollte man mindestens 5-6 Stunden einplanen, wer noch keinen 3D-Drucker zusammen gebaut hat, sollte einen Tag einplanen. Sämtliche Schritte sind eindeutig in der Bauanleitung beschrieben und bereits beim Auspacken der Teile verstärkt sich der Eindruck, dass der Prusa i3 MK2S ein gut durchdachter 3D-Drucker ist. Der Bau ist auf 8 große Schritte aufgeteilt, für jeden Schritt gibt es beschriftete Päckchen die alle notwendigen Bauteile enthalten. So hält sich das Chaos während dem Zusammenstellen in Grenzen, damit nichts schief gehen kann sind sogar die Schrittmotoren beschriftet. So bereitet der Bau des 3D-Drucker große Freude! Sollte mal eine Schraube verloren gehen ist das auch kein Problem, es liegt nämlich ein Päckchen mit Reservebauteilen bei.

Die Anleitung ist so detailliert, dass sogar beschrieben wird wo welche Kabelbinder wie befestigt werden müssen. Apropos Kabel: die Kabel die zum beweglichen Teil der X-Achse (Extruder, Hotend, Abstandssensor, …) und die Kabel die zum Hotbed gehen werden zusammengefasst mit einem 3mm Nylon Filament. Dadurch erhalten die Kabel bessere Unterstützung und die Belastung auf die Kabel wird reduziert – so soll Kabelbrüchen vorgebeugt werden. Eine ausgezeichnete Idee: günstig, einfach und dennoch wirksam.

Nachdem der Drucker aufgebaut wurde folgt ein Funktionstest, ich hatte den Sensor der den Abstand zum Druckbett misst jedoch noch nicht perfekt ausgerichtet. Daher habe ich die entsprechenden Schrauben geöffnet und versucht den Sensor in der Halterung zu verschieben. Leider ist die Halterung so eng bemessen, dass selbst ohne die Halteschrauben ein verschieben nicht einfach möglich ist. Nach einigem hin und her ist mir doch gelungen, das nervt zwar etwas aber im Normalfall muss man diesen Vorgang nur einmal durchführen – daher nur ein kleiner Punkteabzug an dieser Stelle.

Die Menüführung ist ähnlich wie man sie von anderen 3D-Druckern aus dem Marktsegment kennt, die SD Karte kann direkt am Bedienpanel angesteckt werden. Man kann zwischen mehreren Sprachen wählen, doch die deutsche Übersetzung ist nicht so intuitiv zu Bedienen wie die original Version auf Englisch – daher bin ich bei der englischen Menüführung geblieben. Auf der mitgelieferten SD Karte befindet sich mehrere Testdateien, zusammen mit dem mitgelieferten rosa PLA kann man direkt mit ersten Versuchen starten. Nachdem mittels Live Adjustierung der Abstand zwischen Nozzle und Druckbett richtig eingestellt ist (dieser Prozess steht ausführlich in der Anleitung beschrieben), kann man mit dem ersten Druck starten. Für den ersten Test kann man eines der vielen Modelle von der SD-Karte verwenden, die Druckdauer und das Material für alle Modelle stehen im Dateinamen beschrieben. Und dann kam der erste Ausdruck…

Ausgezeichnete Ergebnisse, direkt nach dem Zusammenbau
Ausgezeichnete Ergebnisse, direkt nach dem Zusammenbau

Nachdem der Prusa i3 MK2S die Geometrie des Druckbettes vermessen hat ging es auch schon los, die Zeit zum Aufheizen für PLA (Druckbett 55 Grad, Nozzle 200 Grad) beträgt unter 3 Minuten. Das erste Druckergebnis hat mich dann überrascht, der Drucker druckt mit den mitlieferten Dateien makellos, keine Anpassungen von Einstellungen oder Nachspannen der Zahnriemen erforderlich. Der Prusa i3 MK2S hat einfach das gemacht wofür er gekauft wird, er hat gedruckt.

Für die nächsten Tests habe ich dann den Slic3r Prusa Edition installiert, Profile für den 3D-Drucker sind bereits angelegt, ebenso für verschiedenen Einstellungen (DETAIL, NORMAL, OPTIMAL, FAST, SemiFlex und NoInfill). Außerdem gibt es Voreinstellungen für einige Materialien – natürlich kann man die Profile bearbeiten oder ergänzen, ganz nach eigenen Wünschen. Die nachfolgenden Versuche sind aber aber alle mit den Standard Profilen und Einstellungen entstanden, um einen Eindruck zu vermitteln welche Qualität „out of the box“ erreichbar ist. Absolut genial ist die dynamisch einstellbare Layerhöhe, dieses Features spart umengen an Druckzeit und ist absolut einfach zu bedienen.

Die Modelle des Make Stress Test stellten keine Herausforderung dar, bei starkem Überhang oder sehr langen Brücken zeigt PLA natürlich Schwächen, aber dafür kann man dem 3D-Drucker keine Schuld geben. Beeindruckend ist aber das Ergebnis des Stringing-Tests, es gibt kaum Fädenbildung und die Spitzen wurde bis zum Ende gedruckt. Hier zeigt sich wie gut das E3D v6 Hotend ist – nicht um sonst oft als eines der Besten bezeichnet. Mechanisch ist der 3D-Drucker ausreichen stabil für einen 3D-Drucker, das einzige was man eventuell kritisieren kann ist, dass die Filament-spule ungünstig befestigt ist. So (so zumindest die Theorie) können Schwingungen verstärkt werden, in der Praxis gab es damit aber keine Probleme und die Halterung war absolut benutzerfreundlich.

Abseits von eher unrealistischen Stress Tests funktioniert der Prusa i3 MK2S aber ebenso tadellos. PLA funktioniert dabei ohne Probleme, das selbe gilt für PET-G. Wobei PET-G im Test fast zu gut auf dem Druckbett gehaftet hat, der mitgelieferte Klebstoffe wurde für die beiden Filamente nicht benötigt. Flexibles Filament in Form von Primalloy konnte ebenso ohne Probleme verarbeitet werden. Beim Druck von ABS gab es ein Problem mit der Haftung am Druckbett, hier kann man den mitgelieferten Klebstoff einsetzen. Außerdem entstehen beim 3D-Druck von ABS unangenehme Gerüche, wer in einem Aufenthaltsraum oder Büro drucken möchte, sollte eher auf andere Materialien zurück greifen.

Nach rund 1.5 Wochen intensivem Testbetrieb löste sich der Temperatursensor für das beheizte Druckbett. Wie genau das passieren konnten, kann ich leider nicht mehr nachvollziehen, das entsprechende Kabel war eigentlich mittels Kabelbinder gesichert. Einen Fehler beim Zusammenbau kann aber an dieser Stelle nicht gänzlich ausschließen, daher nur die Warnung: Der Thermistor unter dem Druckbett muss absolut fest montiert sein, löst sich dieser heizt das Druckbett auf deutlich zu hohe Temperaturen – was zu gefährlichen Umständen führen könnten.

Fazit

Der Prusa i3 MK2S überzeugte im Test, nach dem Zusammenbau funktionierte der 3D-Drucker sofort ohne große Probleme. Die Software bietet gute Features und funktioniert zuverlässig, genau wie der Prusa. Egal mit welchem Material, es gab keinerlei Probleme mit der Druckqualität, was auf die gute Mechanik und durchdachte Elektronik zurückzuführen ist. Einziger Haken: Aufgrund des hohen Interesses, wartet man derzeit 7 Wochen bevor der 739€ teure Kit versandt wird.

 

Technische Details

Druckraum (X / Y / Z) 250 x 210 x 200 mm
Schichtdicke (minimal) 0,05 mm laut Hersteller, 0.025 im Test
Filament / Düsen-Durchmesser (Standard) 1,75 mm / 0,4 mm
Material LA, ABS, PET, HIPS, Flex PP, Ninjaflex, Laywood, Laybrick, Nylon, Bamboofill, Bronzefill, ASA, T-Glase, Carbon-fibers enhanced filaments, Polycarbonates…
Hotend E3D v6 Full
Hotendtemperatur (max) 300°C – mit Umbau (Thermocoupler) bis zu 400°C
Druckbett-Technologie Automatik, beheizbar bis ~100°C, Kompensation für kalte Ecken eingebaut
Konnektivität LC Display mit SD Kartenleser, USB
Software-Ausstattung Slic3r Prusa Edition, andere Software ebenfalls möglich
Leistungsaufnahme 250W (max), 70W (PLA Durchschnitt), 100W (ABS Durchschnitt)
Betriebsspannung 100-230 V
Umgebungstemperatur 15-26° C
Außenmaße ca. 420 x 420 x 380 mm
Gewicht ca. 7 kg
Verfügbare Düsen 0,2 – 0,8 mm
verfügbares Düsenmaterial Messing, gehärteter Stahl, …
Technologie FFF (Fused Filament Fabrication)
Mitgeliefertes Material 1kg PLA, gute Verarbeitbarkeit im Test

 

ÜBERBLICK DER REZENSIONEN
Druckqualität
10
Geschwindigkeit
8.5
Hardware
9
Schwierigkeit des Kit - Zusammenbaus
8.5
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Dominik

Dominik studiert derzeit Wirtschaftsinformatik an der TU-Wien. Seit mehreren Jahren beschäftigt er sich mit neuartigen Technologien und speziell mit 3D-Druck. In seiner Freizeit beschäftigt sich Dominik außerdem mit Embedded-Systems sowie deren Programmierung und ist außerdem ehrenamtlich bei mehreren Organisationen tätig.