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TU Berlin: Mit 3D-Druck gegen den Coronavirus

Das 3D-Labor an der TU Berlin hat eine Initiative gestartet, um wichtige medizinische Ersatzteile zu fertigen. Hierfür konnten auch mehrere Partner mobilisiert werden.

Die Coronakrise sorgt weltweit für Versorgungsengpässe bei Atemschutzmasken, Beatmungsgeräte, sterile Handschuhe und weitere Bedarfsgegenstände der Medizin oder Ersatzteile für Medizinprodukte. Angeregt durch eine aktuelle Anfrage der Europäischen Kommission an verschiedene Institutionen im Bereich 3D-Druck hat sich das 3D-Labor am Institut für Mathematik der TU Berlin, der Verband 3DDruck mit Sitz in Berlin sowie weitere in Berlin und Brandenburg ansässige Institutionen und Unternehmen, darunter die Firma IFA 3D und das Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP in Potsdam und die Charité–Universitätsmedizin Berlin zu einer Initiative zusammengeschlossen.

Eine zunehmende Anzahl an Betreibern von Additiven Fertigungsanlagen und der Hersteller von industriellen 3D-Drucksystemen EOS haben ebenfalls ihre Unterstützung zugesagt. Ziel ist es, für den erwarteten und in anderen Ländern bereits konkreten Bedarf an Ersatz- und Verschleißteilen für medizinische Geräte durch 3D-Druckverfahren schnell und direkt Unterstützung leisten zu können.

„Angeregt durch eine allgemeine Anfrage der EU-Kommission, die uns Mitte März erreichte, haben wir uns bemüht, ein umfassendes Netzwerk mit einer Vielzahl von Institutionen und Unternehmen aufzubauen“, so Joachim Weinhold vom 3D-Labor der TU Berlin. „Theoretisch ist es möglich, mit sogenannten additiven Fertigungsverfahren (3D-Druck) entsprechende Ersatzteile herzustellen und Engpässe zu überbrücken“, so Ben Jastram, ebenfalls vom 3D-Labor der TU Berlin. Gemeinsam mit dem Verband 3DDruck haben die beiden Wissenschaftler das Netzwerk ins Leben gerufen. Die Initiative versteht sich dabei nicht als Ersatz zu den bestehenden Lieferketten, sondern als Übergangslösung, um in der aktuellen Krise Engpässe schnell und möglichst unbürokratisch abmildern zu können.

Markus Glasser, Senior Vice President bei EOS: „Der 3D-Druck erlaubt eine Ersatzteilfertigung nach Bedarf und ebenso eine dezentrale Produktion. Diese Vorteile der Technologie können für eine schnelle Hilfe eingesetzt werden. Selbstverständlich kann EOS hier mit entsprechender Fertigungstechnologie, Designwissen für ein optimiert 3D-gedrucktes Bauteil sowie darüber hinaus benötigtem Know-how unterstützen.“

Über die beteiligten Forschungsorganisationen und auch Unternehmen hat die Initiative potentiell Kontakt zu national und international mehreren tausend 3D-Produktionsanlagen, die für eine Fertigung bereitstünden. Angestrebt wird ein lokales, regionales und im Idealfall mindestens bundesweites Produktionsnetzwerk, das in der Lage sein sollte, schnell und im Verbund signifikante Stückzahlen von Bauteilen für Atem- und Schutzmasken sowie Ersatz- und Verschleißteile zur Verfügung zu stellen – wie zum Beispiel Schutzbrillen oder -visiere, komplexe Ventilteile oder Prototypen.

Ein Ergebnis dieser Initiative könnte beispielsweise eine Datenbank sein, in der die beteiligten Institutionen, wissenschaftlichen Einrichtungen und Unternehmen mit ihren Kapazitäten gelistet sind und zum Beispiel Behörden oder Krankenhäuser ihren konkreten Bedarf eintragen können.

Neben der Frage, wie die Bedarfe koordiniert werden können, ist den Wissenschaftler des Netzwerks bewusst, dass noch viele offene Themen zu klären sind. Wer liefert die exakten Spezifikationen der einzelnen Bau- und Ersatzteile, welche Materialien sind für die Herstellung von medizinischen Geräten zugelassen, wie ist die Zulassung von Bauteilen für den Gebrauch in Medizinprodukten aktuell und im Zusammenhang der COVID19-Pandemie geregelt, welche patentrechtlichen Fragen gilt es zu bedenken, wer übernimmt die Kosten? An diesen Themen arbeiten alle Beteiligten bereits mit Hochdruck.

Die TU Berlin ruft auch Institutionen und Organisationen, die über entsprechende oder zusätzliche Kompetenzen verfügen, auf sich an dem Projekt zu beteiligen. Weitere Informationen sowie Kontakt-Daten findet man direkt auf der Webseite der Universität.

Weitere Informationen zu 3D-Druck und Coronavirus finden Sie auf unserer Übersichtsseite.

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